Sabrina Ceesay im Theaterstück "1000 Serpentinen Angst" © Kerstin Schomburg Foto: Kerstin Schomburg

"1.000 Serpentinen Angst" feiert Theaterpremiere in Hannover

Stand: 10.12.2021 06:00 Uhr

Welches Lebensgefühl hat eine junge Frau aus Ostdeutschland, die schwarz und lesbisch ist? Das thematisiert der Debütroman "1.000 Serpentinen Angst" von Olivia Wenzel. Am Freitag feiert seine Adaption für die Bühne Premiere am Schauspiel Hannover.

von Agnes Bührig

Der Bühnenraum ist mit einem weißen, verschlungenen Weg gefüllt, der kein Anfang und kein Ende zu haben scheint. Von der Decke hängt eine Stoffbahn, auf die Menschen und Orte projiziert werden. New York, Berlin, Vietnam und Thüringen bereist die junge Protagonistin.

Dann erscheint eine gealterte Punkerin mit schwarz geschminkten Augen übergroß im Bild, und eine ältere Frau - Mutter und Großmutter. Für Regisseurin Miriam Ibrahim sind es zentrale Figuren aus dem Roman: "Ich wusste sehr schnell, dass ich nicht alle Fragmente und alle Beziehungen des Romans auf die Bühne bringen kann. Deswegen habe ich mich entschieden, auf die Beziehungen zu gehen, die oft im Roman vorkommen. Dann habe ich mich gefragt, welche Beziehungen die Identität der Protagonistin formen oder formten. Was sind also die besonderen Momente, Ereignisse, die sie geprägt haben?"

Prägende Diskriminierungen einer schwarzen lesbischen Frau

Im Roman sind es Fragmente ganz unterschiedlicher Identitäten, die das Leben der jungen Ostdeutschen prägen, gespielt von Sabrina Ceesay. Die zu DDR-Zeiten linientreue Großmutter, die später überlegt, die Rechtspopulisten zu wählen; eine Mutter, die einst gegen das System aufbegehrte; und ein Vater, der nach seinem Studium in der DDR, zurück in Angola, nur selten von sich hören lässt. Dazu kommen die prägenden Diskriminierungen, die sie als Schwarze, als lesbische Frau erfährt.

Das Thema der Intersektionalität spielt eine wichtige Rolle, sagt Dramaturgin Friederike Schubert: "Intersektionalität heißt, wenn man mehrfach diskriminiert ist. Olivia Wenzel ist eine ostdeutsche, afrodeutsche und queere Frau. Mit all diesen vier Merkmalen, die sie in sich vereint, kann sie diskriminiert werden."

Weitere Informationen
Eingang zum Schauspielhaus Hannover. © NDR Foto: Julius Matuschik

Kulturpartner: Schauspiel Hannover

Thematisch nimmt sich das Schauspielhaus vergangener Epochen ebenso an wie zeitgenössischen Stücken. extern

Ein neuer Freiraum für die gemeinsame Arbeit

Regisseurin Miriam Ibrahim, die sich selbst als schwarze Deutsche bezeichnet, arbeitet bei "1.000 Serpentinen Angst" mit drei nicht-weißen Schauspieler*innen zusammen. Sie alle haben Rassismus erlebt, und genau das will die Dramaturgin und Regisseurin vom Theater Oberhausen bei ihrer Inszenierung in Hannover vermeiden.

Doch wie zeigt sich für People of Colour (PoC), also für nicht-weiße Menschen, struktureller Rassismus im Theater? "Im Theater bedeutet das, dass weiße Menschen gern PoC in einer "weißen" Produktion darstellen - und die Erzählung trotzdem weiß bestimmt ist. Das heißt, wenn man in einer Gruppe arbeitet, die nicht mehrheitlich weiß ist, scheint es, dass Menschen, die nicht weiß sind, sich freier fühlen sie selbst sein zu können." Das eröffne einen neuen Freiraum für die gemeinsame Arbeit, sagt Miriam Ibrahim. Zugleich bietet "1.000 Serpentinen Angst" die Chance, die Perspektive der People of Color einzunehmen: die einer schwarzen Ostdeutschen.

"1.000 Serpentinen Angst" feiert Theaterpremiere in Hannover

Das Stück erzählt von einer schwarzen lesbischen Frau aus Ostdeutschland, die nach ihrem Platz in der Welt sucht.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Ballhof Zwei
Knochenhauerstraße 28
30159 Hannover
Preis:
20 bis 24 Euro
Hinweis:
Regie: Miriam Ibrahim | Bühne und Kostüme: Nicole Marianna Wytyczak | Video: Amon Ritz | Dramturgie: Friederike Schubert
Schauspieler*innen: Sabrina Ceesay, Nicolas Matthews, Minh Duc Pham
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 09.12.2021 | 11:20 Uhr