Stand: 11.02.2017 10:07 Uhr

Into Iceland Festival: So war's

von Marcus Stäbler

Die Hauptstadt von Island heißt Hamburg: diesen Eindruck vermittelte das Festival "Into Iceland" am Wochenende, bei dem der NDR isländische Musik und Literatur präsentierte. Das Spektrum des Programms reichte von zeitgenössischen Musik bis zum Pop.

Ein Island-Moment wie aus dem Bilderbuch: Auf der Bühne der Elbphilharmonie steht ein großer Mann mit blonder Mähne und Rauschebart. Der Pop-Barde Júníus Meyvant sieht aus wie ein  Wikinger, er singt oft melancholische Songs - mit und ohne seine vierköpfige Band. Sein Auftritt war das Finale des Festivals "Into Icleand". Drei Tage lang konnten die Besucher isländische Künstler erleben und eine sehr vielfältige Musiklandschaft erkunden - mit einem Angebot vom Big-Band-Jazz über die Filmmusiksounds von Jóhann Jóhannsson bis zur zeitgenössischen E-Musik.

Momente eines isländischen Abends in der Elbphilharmonie

Die Komponistin Thurídur Jónsdóttir verbindet Vogelzwitschern aus dem Hochland mit gehauchten Cellotönen; im Stück "Quake" von Páll Ragnar Pálsson brodeln die Klänge, bis der kleine Saal der Elbphilharmonie erbebt. Das fühlt sich an, als würde gleich ein Vulkan ausbrechen. Eine nahe liegende Assoziation, sagt der Komponist Páll Ragnar Pálsson: "Da ich in Island lebe, denke ich natürlich an solche Dinge. Aber der Titel 'Beben' bezieht sich nicht bloß auf das Beben der Erde, sondern auch auf Energien in uns selbst, die einem Beben vorausgehen."

Natur ist wichtige Inspirationsquelle

Die Kraft der Natur ist für viele Isländer eine wichtige Inspirationsquelle - auch für die elfenhaft zarte Komponistin Anna Thorvaldsdottir, eine der großen Entdeckungen des Festivals: "Ich bin sehr von natürlichen Prozessen inspiriert, von der Art, wie sich Dinge ganz organisch entwickeln und wachsen. Zu diesem Aspekt habe ich eine sehr enge Verbindung." Die Musik von Anna Thordvaldsdottir war am Freitag gleich zweimal zu erleben: Mit dem NDR Kammerorchester im kleinen Saal, und auch im Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Esa-Pekka Salonen.

Plastische und bilderreiche isländische Kultur

Nach Thorvaldsdottirs Stück "Aeriality" dirigierte Salonen die Premiere des Klavierkonzerts von Haukur Tómasson mit dem Pianisten Víkingur Ólafsson - eins von mehreren Auftragswerken des NDR, die für das Festival "Into Iceland" entstanden sind. Als Höhepunkt des Sinfoniekonzerts formte Salonen mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester eine mitreißende Interpretation von Strawinskys "Feuervogel", mit funkelnden Farben und packenden Spannungsbögen. Strawinsky hat ja nur wenig mit Island zu tun - aber seine Musik ist sehr plastisch und bilderreich. Und das verbindet sie mit der isländischen Kultur.

Die Freude am Erzählen ist vielen Komponisten aus Island anzumerken - und auch den Autoren, wie der Schriftsteller und Verleger Halldór Guðmundsson im Podiumsgespräch von NDR Kultur zu isländischen Literatur erklärte: " Weil die Isländer sich die Welt nur mit dem Erzählen erklären können. Wir haben keine philosophische Tradition, keine wirkliche Tradition des abstrakten Denkens. Wenn irgenjemand einen Isländer nach dem Sinn des Lebens fragt, sagt der, ja, ich hatte mal einen Onkel auf Sudavik, der hatte ein Boot."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

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