Bischöfin Kirsten Fehrs sieht in die Kamera. © Nordkirche

"Wir lassen euch nicht allein"

Stand: 22.07.2021 12:41 Uhr

Die große Hilfsbereitschaft und Unterstützung machen Mut. Auch der NDR macht beim ARD-Spendentag mit.

von Bischöfin Kirsten Fehrs

Es klingt so absurd: Da versuchen auf der einen Seite in den Hochwassergebieten Westdeutschlands die Menschen der Katastrophe Herr zu werden. Sie trauern um ihre Verstorbenen, um ihre Häuser, um ihre Existenz. Räumen auf, beseitigen Schlamm und Schutt und sorgen sich, wie viele Monate und Jahre der Wiederaufbau wohl dauern wird und was für immer verloren bleibt.

Auf der anderen Seite, in den gleichen Nachrichten: Ein touristischer Weltraumflug für Menschen, die gut zahlen können. Einmal für einen kurzen Moment der Schwerkraft und den Begrenzungen des irdischen Lebens entkommen. Die einen ertrinken, die anderen heben ab. Ich weiß, das ist überspitzt und nicht ganz fair, aber diese Bilder so direkt nebeneinander machen mich doch irgendwie nachdenklich. Vielleicht, weil einem diesmal die Menschen in den Niederungen des Lebens besonders nahe sind.

Viele Freiwillige engagieren sich

Ich bin froh, dass derzeit so sagenhaft viele helfen und anpacken. In diesen Tagen der Katastrophe sollen die Betroffenen erleben: Wir lassen euch nicht allein. Da stehen nicht nur Nachbarn und ganze Dörfer zusammen, da reisen Freiwillige aus Grimma an die Ahr, weil sie aus eigener Erfahrung wissen: Jetzt wird wirklich jede Hand zum Aufräumen gebraucht – und jede Spende. So wie am ganz anderen Ende der Welt, in 14 Ländern Afrikas, tatsächlich die Kirchen 20.000 € für die Flutopfer hier bei uns gesammelt haben!

Auch Sie haben heute Gelegenheit, bei der Spendenaktion des NDR mitzutun – aus Mitgefühl und Solidarität. Das treibt uns doch im Moment alle an und wir heben gerade nicht ab.

Unsere Erde ist verwundbar

Alle weltweit wissen wir, wie verwundet unsere Erde ist. Und mir fallen Bilder von ihr ein, die es nur aus dem Weltraum gibt: Der blaue Planet, der so verletzbar wirken kann im weiten All. Diese Bilder haben uns Grenzen verstehen lassen. Gerade den Klimawandel und all die schlimmen Folgen der Umweltzerstörung hätten wir vermutlich viel weniger verstanden ohne diese beeindruckend schönen Bilder von unserem blauen Planeten.

Und so rücken die widersprüchlichen Nachrichten dann doch noch zusammen: Als große Menschengemeinschaft sind wir alle miteinander Teil dieser einen, verwundbaren Erde, Gottes wunderbare Schöpfung. Schützen wir sie mit aller Kraft – sie ist die einzige Heimat, die wir haben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 23.07.2021 | 09:40 Uhr

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