Stand: 06.12.2013 14:05 Uhr  | Archiv

L / M / N

von Jan von Lingen

Woher kommt der Brauch eines Rentierschlitten? Der Nikolaus sitzt da drin, die Tiere sind davor gespannt: Woher kommt dieser Brauch eigentlich?

Haben Sie schon mal ein Rentier in der Türkei gesehen? Nicht? Dann vielleicht einen Schlitten und Schnee in Istanbul? Auch nicht? Oder zumindest einen dicken Mann mit rotem Gewand und Fellkapuze, der über die Straßen am Bosporus spaziert? Nicht? Nun. Sollte mich auch wundern.

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Der "Nikolaus" geht auf Nikolaus von Myra zurück.

Aber genau das erwarten wir, wenn wir uns den Nikolaus so vorstellen - mit Schlitten und Rentier. Doch das passt gar nicht zusammen. Denn den Nikolaus gab es ja wirklich. Er lebte im 3. Jahrhundert in der heutigen Türkei. Und das ist bekanntlich ein Land ohne Rentiere. Nikolaus von Myra war damals in Kleinasien Bischof. Er war großzügig, so wird erzählt, hatte ein Herz für Kinder, schenkte Bedürftigen etwas. In unserer Vorstellung wurde er darum - im Laufe der Jahrhunderte - zum Weihnachtsmann. Und aus der alten Legende wurde nach und nach eine Art Märchen.

Der Weihnachtsmann kommt aus Finnland

Aber wieso wird er dann oft mit einem Rentierschlitten dargestellt? Da wir den Weihnachtsmann selten sehen, behaupten manche, er müsse ganz weit weg wohnen. Am Nordpol etwas, in Grönland oder in Schweden - so genau weiß das wohl niemand. Aber das wäre auch schlimm, denn sonst hätte der Weihnachtsmann nicht mal im Sommer seine Ruhe. Doch 1927 hat das finnische Radio endlich herausgefunden, dass der Weihnachtsmann am Korvatunturi wohnt, das liegt in Finnland. Deshalb ziehen Rentiere den Schlitten: Die leben dort und halten die langen kalten Winter gut aus. Und wie soll der Weihnachtsmann ohne sie seine Geschenke verteilen können?

Die amerikanische Variante: Santa Claus

Durch die Auswanderer kam diese Vorstellung in die neue Welt - nach Nordamerika. Dort wurde der Nikolaus, der "Santa Claus", vermischt mit der Vorstellung vom "Väterchen Winter". Und wofür braucht der Winter ein Bischofsgewand? Also haben sie ihm seine Mitra, seinen Stab und sein Bischofskreuz abgenommen und ihm dafür einen neuen Mantel und Mütze verpasst. In einer amerikanischen Zeitung wurde er schließlich so gezeigt: weißer Bart, roter Mantel, fellbesetzte Mütze, Tonpfeife. Irgendwie ein gemütlicher alter Mann eben. Und so sieht er aus - bis heute.

Wenn Sie mich fragen: Ich habe nichts gegen den Weihnachtsmann in seinem roten Mantel. Aber ich stelle ihn mir gerne auch mal ganz anders vor. Als Bischof Nikolaus von Myra, der den Kindern schenkte, was sie zum Leben brauchten. Der war tatsächlich so etwas wie ein Heiliger. Rentiere und Schlitten müssen da nicht sein. Es geht viel besser ohne sie.

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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