Eine Frau hält dem Betrachter ihr Hand entgegen, auf der "HELP" geschrieben steht. © Motortion

Unrecht im Geheimen

Sendedatum: 25.07.2021 09:12 Uhr

Mitten unter uns leben Menschen in Unfreiheit. Der Tag gegen Menschenhandel will diese Opfer in den Blick nehmen. Gott steht an ihrer Seite, sagt Julia Jünemann vom Frauenwerk der Nordkirche.

von Radiopastorin Susanne Richter

"Unvorstellbar, aber Menschenhandel findet auch bei uns hier in Norddeutschland in der Nachbarschaft statt", sagt Julia Jünemann, Vorsitzende des Fördervereins der Fachstelle Contra beim Frauenwerk der Nordkirche. Die Fachstelle berät und unterstützt vor allen Dingen Frauen, die von Zwangsprostitution, Ausbeutung und Erpressung betroffen sind.

Für Julia Jünemann ist der Internationale Tag gegen Menschenhandel ein Tag der Solidarität mit den Opfern:

"Mit Menschen, die bedroht, betrogen und ihrer Freiheit beraubt wurden. Der Tag bietet auch Anlass, um ein Unrecht ans Licht zu bringen, das überwiegend im Verborgenen stattfindet."

Unrecht geschieht im Geheimen - auch bei uns

Ein Jobangebot, was die Familie zuhause in Nigeria ernähren soll, erweist sich als Weg in die Prostitution. Bei einem Angebot als Au-Pair-Mädchen wird eine junge Frau wie eine Leibeigene behandelt. Oft würde damit gedroht, dass den Frauen oder den Familien zuhause Gewalt angetan wird, sagt Julia Jünemann:

"Ich bin ja in der kirchlichen Frauenarbeit beruflich tätig und lese und höre darum immer viel über Armut und strukturelle Benachteiligung von Frauen weltweit. Und bin immer wieder aufs Neue betroffen und bin oft auch wütend darüber. Und finde es insoweit unerträglich, dass mitten in unserer wohlhabenden und zivilisierten Gesellschaft solches Unrecht im Geheimen geschehen kann."

Das kann auch deshalb geschehen, weil die Frauen Angst haben, in ihre Heimat abgeschoben zu werden, und sich scheuen, Hilfe zu holen. Ziel von Contra sei es darum, dass die Frauen nicht mehr Angst haben müssen, sich an die Polizei oder andere Behörden zu wenden, weil sie sich sicher sein können, dass bei gesetzlichen Regelungen und bei Zusammenarbeit der Behörden ihr Schutz höchste Priorität hat. Und dafür, dass das möglich wird, leistet Contra zusammen mit anderen Institutionen immer wieder Lobbyarbeit.

Gott steht an der Seite der Opfer

Wichtige Kraftquelle für Julia Jünemann ist ihr Glaube:

"Ich glaube daran, dass Gott eine gerechte Welt will. Und dass Gott auf der Seite der Opfer steht. Und da stehen wir mit unserem Engagement gegen Menschenhandel und für die Frauen auch."

Mehr Infos über die Arbeit von Contra unter contra-sh.de. Dort gibt es auch Infos über die Aktion "Süße Schokolade gegen bitteres Unrecht". Mit dem Kauf der Schokolade unterstützt man die Arbeit der Fachstelle und setzt ein Zeichen für Frauensolidarität.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 25.07.2021 | 09:12 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kirche/Unrecht-im-Geheimen,menschenhandel182.html

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.