Stand: 07.12.2018 13:55 Uhr

Bedford-Strohm: "Bei Völkermord hingucken"

von Susanne Richter
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"Kolonialgeschichte hat in unserem kulturellen Gedächtnis zu wenig Platz", sagt Heinrich Bedford-Strohm.

Mitten im Advent, am 9. Dezember ist der Internationale Gedenktag gegen Völkermord. "Gut, dass wir den haben", sagt Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Man könne so etwas in der Zukunft nur verhindern, indem man daraus lerne, was passiert sei. Und darum sei es wichtig, dass man sich der Opfer von Völkermord erinnere und genau hinschaue und dann die Mechanismen versuche zu verstehen, "die zu so etwas führen und dann sehr wachsam ist in den eigenen Lebenswelten."

Eine demokratische Kultur entwickeln

Ein Völkermord, die systematische Ausrottung einer Gruppe von Menschen, beginnt immer im Kleinen: "etwa in der Abwertung von Menschen, der Entmenschlichung von Menschen." Wenn sich so etwas anbahne, müsse man frühzeitig nein sagen und widersprechen. Es gehe darum, eine demokratische Kultur zu entwickeln, in der die Würde des Menschen wirklich im Zentrum stehe", so Bedford-Strohm.

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Als Namibia deutsche Kolonie war, verübten die Deutschen dort einen Völkermord und raubten Hunderte Schädel, die bis heute in deutschen Museen lagern. Auch in Hamburg und Bremen. mehr

Sich Auseinandersetzen heißt auch hinzugucken, wo unsere Vorfahren Verbrechen begangen haben. Zum Beispiel Anfang des vergangenen Jahrhunderts bei dem Völkermord an den Herero und Nama im ehemaligen Deutsch-West-Afrika, dem heutigen Namibia. Das sei ein Kapitel der Kolonialgeschichte, was noch viel zu wenig in unserem kulturellen Gedächtnis in Deutschland seinen Platz habe, sagt der Theologe.

Konfrontation aushalten können

Unrecht muss benannt werden. Anerkennen, was war, bringt Heilung. Der Ratvorsitzende hat darum an einem Schuldbekenntnis der Kirchen mitgewirkt. Die Missionskirchen, die damals auch von Deutschland aus geleitet worden seien, hätten damals im Wesentlichen zugeschaut und eben nicht gegen das Leid protestiert, was den Hereros und Nama angetan worden sei. "Eine harte Konfrontation, die wir aber aushalten können", sagt Heinrich Bedford-Strohm. Denn der Glaube gebe uns ja die Kraft, auch unsere dunklen Seiten anzuschauen.

Heute vor 70 Jahren wurde die "Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes" von den Vereinten Nationen beschlossen. Ein wichtiger Tag für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 09.12.2018 | 09:15 Uhr

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