EIn Mann geht im Nebel einen Weg auf einem Damm entlang. © photocase Foto: Alpenfux

Tabuthema Suizid

Stand: 18.11.2021 12:04 Uhr

Eine Ausstellung in Kassel beschäftigt sich mit dem Thema Suizid sowie und den Gefühlen suidizidaler Menschen und deren Angehöriger. Der Ansatz: Darüber sprechen.

von Radiopastorin Susanne Richter

Lasst uns endlich darüber reden! Suizid ist leider immer noch ein Tabuthema. Fatal, weil ein offener Austausch darüber lebensrettend sein kann, sagt Prof Reinhard Lindner, einer der Leiter der deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: "Wir können mit Menschen besser reden, die in dieser Situation sind, wenn wir z.B. wissen, dass Hilfe in Suizidalität möglich ist, gehen wir auch in private Gespräche ganz anders ran."

Religionen können helfen

Lasst uns drüber reden! Genau an diesem Punkt setzt die Ausstellung "Suizid. Let´s talk about it" im Kasseler Sepulkralmuseum an. Hier geht´s um die Gefühle von suizidalen Menschen und deren Angehörigen. Hilfestellungen und Behandlungsmethoden werden aufgezeigt. Es gibt Begleitung und viel Raum für Austausch. Prof. Reinhard Lindner sagt: Kontakt ist grundsätzlich etwas, was dabei hilft nicht suizidal zu werden: "Wie sehr man sich in einer Gruppe ähnlich oder Gleichgesinnter gehalten und mit dieser verbunden fühlt. Insofern können gerade Religionen hilfreich sein."

Wenn sie Menschen verbinden, ohne zu verurteilen. Eine Haltung, die wir aber alle unabhängig vom Glauben lernen können: "Beziehungen zu ermöglichen auf möglichst gute Weise. Sich in Verbindung miteinander zu erleben."

"Suizid. Let´s talk about it" ist nicht nur für Betroffene gedacht, sondern bewusst eine Ausstellung für alle. Wer keine Zeit hat nach Kassel zu fahren, kann auch einen tollen Einblick im Netz bekommen.

Die Telefonseelsorge hilft

Normalerweise berichten wir nicht über Suizide. Der Pressekodex mahnt zur Zurückhaltung bei der Berichterstattung. Hier heißt es: "Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Eine Ausnahme ist beispielsweise dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handelt."

Ein weiterer Grund für unsere Zurückhaltung ist die erhöhte Nachahmerquote nach Berichterstattung über Selbsttötungen.

Solltet ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, bei der Telefonseelsorge findet ihr rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym.

- Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222 oder 116 123
- Kinder und Jugendtelefon "Nummer gegen Kummer": 116 111 (Montag bis Samstag von 14 - 20 Uhr)
- Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS): 030 - 31 01 89 60
- Muslimisches Seelsorgetelefon: 030 / 44 35 09 821 (24h)

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 20.11.2021 | 09:12 Uhr

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