Sendedatum: 20.06.2020 18:05 Uhr

Sommersonnenwende: Die hellste Zeit des Jahres

von Britta Jensen
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Am 20. Juni erreicht die Sonne den höchsten Stand über dem Horizont.

Am Samstag war Sommersonnenwende - der längste Tag, die kürzeste Nacht. Mittsommer wird normalerweise gerne und groß gefeiert, besonders in Schweden. Aber auch bei uns gibt es Johannisfeuer, die den astronomischen Sommer begrüßen. Die hellste Zeit des Jahres ist ja eigentlich auch ein guter Grund sich zu freuen. Es ist Juni, eine herrliche Zeit mit Aussicht auf heiße Sommertage und laue Nächte. Und trotzdem: Mich überfällt eine stille Trauer. Nun werden die Tage wieder kürzer. Jeden Tag ein bisschen mehr Dunkelheit. So verabschiedet sich die helle Zeit heimlich und nahezu unmerklich, bevor der Sommer überhaupt richtig angefangen hat. Ein ewiger Kreislauf aus Werden und Vergehen, der mich nachdenklich macht.

Zu schnell verblüht die Blumenpracht

Der Blick auf meine blühenden Rosen weckt in mir die Frage: Warum nur kann ich all das nicht festhalten? Schon längst sind die Krokusse spurlos verschwunden. Blühten sie nicht erst gestern? Und all meine Narzissen. Ihre Blätter hängen schlapp und gelb im Blumenbeet und werden gnadenlos überwuchert. Weißdorn, Flieder und Apfelbaum, gerade noch fühlte ich mich in einer weißen Wolke aus duftenden Blütenblättern. Doch viel zu schnell ist es vorbei mit der Pracht. Mir kommt es vor, als hätten mich liebe Freunde verlassen.

Alles hat seine Zeit

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Im Garten beginnt die Erdbeeren-Ernte ab Mitte Juni.

Und nun werden die Tage wieder kürzer und ich sehe mich in Gedanken schon im trüben Novembernebel sitzen, während mir die Junisonne einen dezenten Sonnenbrand auf die Nase setzt. Das habe ich davon, wenn ich mich mit solchen Gedanken herumplage. Ich sollte es lassen. So wie das Unkraut zu meinen Füßen. Es schert sich nicht darum, dass irgendwann  Herbst und Winter kommen und wächst ungeniert zwischen meinen Erdbeerpflanzen. Oh, was entdecke ich da? Die ersten roten Früchte. Dieser süße Genuss holt mich zurück in die helle Gegenwart.

Es ist wie ein Zeichen vom Himmel. Eine Aufforderung: Lass die trüben Gedanken!  Sieh doch, wie schön es ist!  Die Sonne scheint, die Früchte reifen und die Rosen blühen. Alles hat seine Zeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 20.06.2020 | 18:05 Uhr