Sendedatum: 05.06.2020 10:40 Uhr

"Weiße nehmen Schwarzen die Luft zum Atmen"

von Julia Heyde de López

"Ich kann nicht atmen - I can't breathe!", sagte er noch. Wenig später starb George Floyd aus Minneapolis. Ein Polizist hatte ihm minutenlang sein Knie in den Nacken gedrückt. Die Geschichte erschüttert die USA und die ganze Welt.

Rassismus ist seit der Kolonialzeit existent

Demonstraten protestieren vor der St. John's-Kirche gegen den gewaltsamen Tod von George Floyd durch Polizisten. © picture alliance / newscom Foto: Tasos Katopodis
Seit Tagen demonstrieren Menschen in den USA gegen den gewaltsamen Tod von George Floyd.

Der Tod von George Floyd ist nur der letzte in einer langen Kette ähnlicher Fälle, in denen Weiße Schwarze töteten - einfach, weil sie schwarz waren. Irgendwie scheint es so, als habe sich rassistisches Denken, die Sünde der Überlegenheit, seit der Kolonialzeit in die weißen Mehrheitsgesellschaften hineingefressen. Die Wahrheit ist: Weiße Menschen haben über Jahrhunderte mit ihrem Rassismus Menschen anderer Hautfarbe diskriminiert, ausgegrenzt und ihnen die Luft zum Atmen genommen. Und sie tun es noch.

Diskriminierung nicht schweigend hinnehmen

Wir tun es noch, sollte ich sagen, als Gesellschaft. Denn White Privilege ist real. Und selbst wenn wir ehrlich meinen, "aber ich habe doch keine Vorurteile ..." - dazu würde der Bürgerrechtler Martin Luther King wahrscheinlich sagen: "Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde."

Solange wir schweigend über Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit hinwegsehen, wird sich kaum was ändern. Wir brauchen jetzt den Geist von Pfingsten. Den Atem Gottes. Zum Sprechen. Zum Protestieren. Zum Leben. Zum Luftholen.

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Donald Trump, Präsident der USA, hält eine Bibel, während er die St. John's Episcopal Church besucht. © Patrick Semansky/AP/dpa Foto: Patrick Semansky

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Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Radiokirche bei N-JOY | 05.06.2020 | 10:40 Uhr

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