Stand: 24.04.2019 08:55 Uhr

Kolumne: Der Sturm in unserer Hand

von Christine Oberlin

Ich öffne den Briefkasten, und ritsch! Reißt mir der Wind die Zeitung aus der Hand. So heftig fegten in dieser Woche die Windböen durch die Stadt. Jetzt denken Sie bestimmt: "Na und? Kann schon mal vorkommen." Und genau das versuche ich mir auch zu sagen. Aber auf flatternde Zeitungen, die kreuz und quer durch die Straßen stoben, folgte Anfang Mai 2015 der Tornado, der weite Teile der Bützower Innenstadt zerstörte.

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Anhaltene Trockenheit führt vermehrt zu Sandstürmen, wie hier in Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Tornado vor der eigenen Haustür ist aber ja nun wirklich ein seltenes Wetterphänomen, beruhige ich mich dann wieder und schiebe die Erinnerung beiseite. Wenn ich aber - wie ebenfalls in dieser Woche - die aktuellen Warnungen vor Sandstürmen in Mecklenburg-Vorpommern höre, werde ich nachdenklich, und die Bilder kommen wieder. Zum Beispiel von den schweren Verkehrsunfällen, die diese Stürme mit meterhohen wirbelnden Wänden aus Sand auf Autobahnen immer wieder verursachen. An Sandstürme können sich die Altvorderen bei uns nicht erinnern, an Tornados schon gar nicht. Wie viele dieser Wetterphänomene sind Zufall, wie viele sind menschengemacht?

Zeit für Umkehr

Riesige Ackerflächen, deren Böden durch moderne Landwirtschaft verpresst sind und bei Trockenheit erodieren, sehen Experten als Ursache von Sandstürmen in Norddeutschland. Und dass die Erderwärmung zu häufigeren und heftigeren Wirbelstürmen an Europas Küsten führen kann, haben Klimaforscher vorausgesagt. Unsere Vorfahren haben das Wetter als Schicksal angenommen. Wir wissen längst, dass wir dieses Schicksal zu einem erheblichen Teil in unserer Hand haben. Durch unseren Konsum und unsere Lebensweise gefährden wir das ökologische Gleichgewicht der Erde. Das wissen wir längst, aber wie viel muss noch geschehen, bis wir es begreifen und etwas ändern?

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Pastorin Christine Oberlin wünscht sich mehr Einsatz für den Klimaschutz.

Ostern ist für mich das Fest der Auferstehung. Aber es hat auch etwas mit Aufstehen zu tun: aufstehen aus unserer gemütlichen Gleichgültigkeit, in der wir weiterleben wie bisher. Will ich wirklich etwas ändern? Das kann sich jeder selbst fragen. Ich jedenfalls setze darauf, dass Gott uns Kraft und Fantasie gibt zur Umkehren und zum Neubeginn. Das geht nur mit Glauben und Hoffnung und Liebe - und deshalb gibt es heute alle drei: Herz, Kreuz, Anker, die Rettung der Welt ist wichtig genug.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.04.2019 | 07:45 Uhr

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr