Stand: 11.10.2018 09:00 Uhr

Kolumne: Kevin, geliebtes Kind

von Oliver Vorwald

Oliver Peter Hermann Joseph, so heiße ich. Mama und Papa haben es vor 49 Jahren gut gemeint, als sie mir drei Klassiker für den Lebensweg mitgegeben haben - und vorneweg einen eher modern klingenden Rufnamen. Dass der damals ein wenig aus der Rolle fällt, bekomme ich regelmäßig auf Familienbesuch in Uetersen zu spüren. Oma Lotte zieht das "i" immer so in die Länge wie bei "Oliiive". Geschenkt, anschließend gibt es einen dicken Schmatzer.

Haben "Kevins" Nachteile im Leben?

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Der Name Kevin hat irgendwie einen schlechten Ruf, meint Radiopastor Oliver Vorwald.

Was Namen noch so auslösen, muss ich neulich an mir selbst erleben. Hamburger Umland, Geburtstagsparty, Bässe wummern. Im Gewusel unterhalte ich mich mit der Frau eines Freundes, die schwanger ist. "Es wird ein Junge", sagt sie. "Wir wollen ihn Kevin nennen." Irgendetwas muss in diesem Moment in meinem Gesicht passiert sein. Denn sie - Funkelaugen, umwerfendes Lächeln, klug, weltoffen, beruflich erfolgreich - setzt sofort nach. "Wieso guckst du so? Ist doch ein schöner Name." Das sitzt. Und in mir drin tadelt eine Stimme: "Oliver, du bist überheblich." Stimmt. Und ich ärgere mich, dass sich viele schlechte Gags deutscher Comedians in mein Unterbewusstsein eingeschlichen haben.

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Sind Kinder mit den Namen Friedrich, Lina oder Emil besser für ihr Leben gerüstet als Kevin? Namen folgen Namen wechselnden Moden. Davon kann sich kaum einer frei machen. Natürlich sind Namen auch Programm, mit Bedeutung aufgeladene Silben. Sie beschreiben Zukunft oder Herkunft. So ist es übrigens bei mir zu Peter Hermann Joseph gekommen. Ich trage die Namen meines Vaters und der beiden Großväter weiter. Und das finde ich berührend, auch wenn andere immer wieder Witze über die Kombi "Oliver Peter Hermann Joseph" machen.

Vornamen kommen vom Herzen

Die vielleicht wichtigste Aufgabe aber, die Namen haben, ist diese: Sie sollen von der Liebe der Eltern zu ihrem Kind erzählen, ihm damit Gutes tun. In vielen Geschichten der Bibel klingt das an, zum Beispiel bei Hiob (Hi 42,14) oder im Jesajabuch (Jes 43,1). Kevin ist übrigens auch so ein Name. Deshalb widme ich ihm ein Herz der Liebe. Kevin kommt aus dem Gälischen. Er bedeutet "geliebtes Kind".

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

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