Stand: 11.07.2020 09:15 Uhr

Kolumne: "Solidarität geht anders …"

von Oliver Vorwald
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Trotz Einlauf-Verbots bringt Kapitänin Carola Rackete im Sommer 2019 Flüchtlinge nach Lampedusa.

Erinnern Sie sich noch an Carola Rackete? Halskette mit lachender Sonne, die Rastazöpfe zu einem dicken Haarknoten gebunden, entschlossener Blick. Vor einem Jahr - als viele von uns im Urlaub dümpeln - läuft die Kapitänin mit der Sea-Watch 3 trotz Verbot italienischer Behörden in den Hafen von Lampedusa ein. An Bord 40 erschöpfte Menschen, aus dem Mittelmeer gerettet. Aufregung in Europa.

Lage für Flüchtlinge im Mittelmeer spitzt sich zu

Im Sommer 2019 rückt der Leidensweg der Migranten und Flüchtlinge, die an Libyens Küste in löchrige Schlauchboote steigen, in den Fokus der Berichterstattung. Kinder, Männer, Frauen mit Babys. Aktuell scheint das alles bloß ein Randthema zu sein. Dabei spitzt sich die Lage wieder zu. Und gerade mal zwei oder drei Rettungsschiffe sind vor Ort. Die Sea-Watch 4, die von dem kirchlich initiierten Bündnis United4Rescue umgerüstet wird, kann erst im August die kleine Flotte verstärken. Hinzukommt, dass einige Mitglieder der Europäischen Union sich immer noch weigern, Italien beizustehen. Insbesondere solche Länder, die so gerne ihre christliche Tradition betonen. Die Solidargemeinschaft torpediert ihre ureigenen Werte.

Mehr Solidarität unter EU-Mitgliedsländern nötig

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Radiopastor Oliver Vorwald fordert mehr Schiffe im Mittelmeer, um Flüchtlinge zu retten.

Zum 1. Juli - also fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem beherzten Anlegemanöver von Carola Rackete - hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Meine Bitte an die Politik: werft Anker der Hoffnung! Schickt mehr Schiffe! Unterstützt die Länder, die von der Migration besonders betroffen sind! "Einer trage des andern Last." (Galater 6,2) Davon lebt Solidarität. Paulus schreibt das, Apostel von Glaube, Hoffnung, Liebe. Er hat diese Botschaft auf einer lebensgefährlichen Reise übers Mittelmeer zu uns gebracht.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 11.07.2020 | 09:15 Uhr

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr