Zwei Gänseblümchen im Sonnenlicht © picture alliance / Zoonar | wolfilser Foto: Zoonar | wolfilser

Ostern im Rücken - Das Leben zählt

Sendedatum: 07.04.2021 09:40 Uhr

Johann Hinrich Wichern legte den Grundstein für das Diakonie-Wesen. Vor 140 Jahren ist der Hamburger Theologe gestorben. Bischöfin Kirsten Fehrs erinnern an den hoffnungsmutigen Reformer.

von Bischöfin Kirsten Fehrs

Mit Ostern im Rücken setzt sich dann eben doch die Zuversicht durch. Trotz allem. Das Leben zählt. Ostern heißt: Wir lassen uns nicht kleinkriegen und warten gerade nicht auf die nächste Niederlage. Nein, wir hoffen und lieben der Überraschung entgegen. Ostern ist eben nicht nur das älteste christliche Fest, sondern auch das mutigste. Gerade weil es an Leid und Tod nicht vorbeigeht, sondern genau da hindurch. Und deshalb bekommt in dieser Osterzeit der verzweifelte Frust ebenso seinen Platz wie der Hoffnungsmut. Die Richtung aber ist nun klar - es geht ins Leben, ins Helle.

Johann Hinrich Wichern - Sozialreformer aus Nächstenliebe

Der hellen Überraschung entgegen lieben - dazu fällt mir Johann Hinrich Wichern ein, ein großer Hamburger und der Diakoniker schlechthin, heute vor 140 Jahren ist er gestorben. Das Rauhe Haus hat er gegründet und den Adventskranz erfunden. Vor allem aber war er ein hoffnungsmutiger Pragmatiker, der es mit jeder Not, ja Perspektivlosigkeit aufgenommen hat. Auch weil er so erschüttert war von der Armut und dem Elend, in dem gerade Kinder und Familien in Hamburg-St. Georg leben mussten. In diesem - man muss es wohl so nennen - Slum des 19. Jahrhunderts arbeitete er in einer "Sonntagsschule", denn Bildung, sagte Wichern, ist das A und O für ein würdiges Leben. Keines dieser Kinder in St. Georg hat er verloren gegeben - getrieben von einer beeindruckend hartnäckigen Hingabe hat er an Ostern geglaubt und immer mit dem Wunder rechnet.

So hat er angepackt und sich engagiert, aus tiefer Frömmigkeit heraus. "Die Liebe gehört mir wie der Glaube", hat er gesagt - und dann getan. Eben, tätige Nächstenliebe.  Erst war es eine kleine Wohngruppe, die bald zu einer großen Schule wurde mit einer Ausbildungsstätte für Sozialarbeiter und religionspädagogische Fachleute.

Zuversicht und Gerechtigkeit stehen im Fokus

Bis heute ist das Rauhe Haus nicht nur eine der wichtigsten diakonischen Bildungseinrichtungen Hamburgs. Entstanden aus den Karfreitagserfahrungen des 19. Jahrhunderts zeigt es auch: Zuversicht und Gerechtigkeit setzen sich am Ende durch. Dafür stehen wir ein in dieser Welt. Auch heute. Mit Ostern im Rücken wünsche ich Ihnen von Herzen lebendige Zuversicht. Trotz allem.

Weitere Informationen
Kinder kommen aus dem Eingang eines Wohnheims (Rauhes Haus) in Hamburg (1958)
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Rauhes Haus

Die Stiftung Das Rauhe Haus betreibt im Raum Hamburg verschiedene Einrichtungen für sozial gefährdete Jugendliche. 18 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 07.04.2021 | 09:40 Uhr

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