Menschen fotografieren Kunstwerke des französischen Fotografen und Streetart-Künstlers JR, die auf dem Trocadero-Platz vor dem Eiffelturm ausgestellt sind (Foto: Thibault Camus/AP/dpa ). © Thibault Camus/AP/dpa Foto: Thibault Camus

Optische Täuschung verändert Blick auf die Welt

Sendedatum: 01.06.2021 19:05 Uhr

Der französische Straßenkünstler Jean René, kurz JR, sorgt in Paris mit einer optischen Täuschung für Aufsehen. Im Fokus der Kunstaktion steht der Eiffelturm - das Wahrzeichen der Stadt.

von Pastor Helmut Nagel

"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar", so hat es der deutsche Maler und Grafiker Paul Klee einmal geschrieben. Das passt, finde ich, besonders gut zu einer Kunstaktion, die in diesen Tagen die Menschen in Paris bewegt. Von Mitte Mai bis zum 17. Juni hat der Künstler Jean René den Eiffelturm in Paris mit einer optischen Täuschung verwandelt.

Unter dem Eiffelturm öffnet sich eine tiefe Schlucht

Wer also zurzeit auf das Pariser Wahrzeichen vom Trocadero-Platz aus blickt, meint, dass sich ein riesiger Abgrund unter ihm auftut. Es wirkt, als ob der berühmte Turm mit seinen Füßen die letzte Verbindung zweier getrennter Felswände wäre. Unter dem Wahrzeichen tut sich nun eine riesige Schlucht auf. Diese optische Täuschung wird durch eine auf dem Platz vor dem Eiffelturm aufgetragene Schwarz-Weiß Foto-Collage erreicht. Dadurch verbindet sich das Bild der Schlucht mit dem Wahrzeichen von Paris zu einer dreidimensionalen Einheit. Für Betrachtende wirkt es, als würde man jeden Moment in die Tiefen der Schlucht gezogen.

Sonnenaufgang über Hanshagen © NDR Foto: Uwe Kantz aus Hinrichshagen
AUDIO: Gesegneten Abend (2 Min)

Was bleibt und was trägt in der Welt

Dieser optische Trick zieht nun Scharen von Touristen und Einheimischen an. Was der Künstler damit ausdrücken will, liegt wie immer im Auge der Betrachtenden. Vielleicht die Spaltung der Gesellschaft in Pandemie-Zeiten? Oder die Unterhöhlung und Veränderung von Gewohntem und Unverrückbarem? Ein neuer Blick auf sich und die Welt verändert und lässt staunend fragen, was bleibt und trägt. "Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall. Wälder, Felder, jedes Tier, zeigen Gottes Finger hier", so heißt es in einem Kirchenlied.

Die Natur ist am meteorologischen Sommerbeginn keine optische Täuschung. Sie ist ein Fingerzeig Gottes, seine Barmherzigkeit und Güte am Wegesrand und im Alltag zu entdecken. Schau noch mal neu hin!

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 01.06.2021 | 19:05 Uhr

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