Stand: 10.01.2019 09:00 Uhr

Miep Gies risikierte ihr Leben für Anne Frank

von Julia Heyde de López
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In einem Amsterdamer Hinterhaus versteckte Miep Gies Anne Frank und ihre Familie.

Es gibt Menschen, die sind Helden der Nächstenliebe und merken es nicht mal. So ein Mensch war die Niederländerin Miep Gies. Sie lebte in Amsterdam und war ab den 1930er-Jahren befreundet mit der jüdischen Familie Frank. Deren jüngste Tochter, Anne Frank, hat das heute weltberühmte Tagebuch geschrieben. Ab 1942 mussten sich die Franks in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nazis verstecken, zusammen mit vier weiteren Personen. Und Miep Gies half ihnen dabei. Zwei Jahre lang versorgte sie die Untergetauchten mit Lebensmitteln, Zeitungen und anderen notwendigen Dingen. Und machte ihnen Mut, durchzuhalten.

Miep Gies rettet Anne Franks Tagebuch

"Die Menschen waren in Not, und ich konnte ihnen helfen. Da sagt man doch nicht nein", meinte Miep Gies Jahre später in einem Interview. Dass sie dabei auch ihr eigenes Leben riskierte, das fand sie normal. Wir wissen heute, die Geschichte ging nicht gut aus. Das Versteck im Hinterhaus wurde entdeckt, alle wurden verhaftet, und bis auf Annes Vater wurden alle von den Nazis ermordet. Lange musste die Helferin mit ihrer Trauer kämpfen: "Wir hatten sieben Menschen verloren. So etwas kann man nicht wegschieben. Das kam immer wieder zurück."

Dass das Tagebuch von Anne gerettet wurde - auch das ist Miep Gies zu verdanken. Sie fand die Aufzeichnungen und Notizen des Teenagers im Versteck der Familie und übergab die Dokumente nach dem Krieg an Annes Vater. Und als das Tagebuch veröffentlicht wurde, sagte sie: "So vieles war verloren. Annes Stimme aber würde nie mehr verloren gehen." Heute vor neun Jahren ist Miep Gies gestorben. Sie wurde 100 Jahre alt.

Dieses Thema im Programm:

N-JOY | Radiokirche bei N-JOY | 11.01.2019 | 10:40 Uhr