Die Illustration zeigt den Nasa-Rover "Perseverance" bei der Landung auf dem Mars. © NASA/dpa

Kolumne: "Kokon statt Kapsel"

Stand: 28.02.2021 07:30 Uhr

Der Roboter "Perseverance" liefert Eindrücke vom Mars. So spektakulär Bilder und Töne sind: Ein Leben auf dem roten Planeten ist keine Option. Menschen müssten sich abschotten - und in Kapseln leben.

von Stefanie Grossmann

Gespannt höre ich mir die Tonaufnahmen des Mars-Roboters an: Der Wind rauscht, begleitet von einem hohen, surrenden Ton. Es sind die ersten Aufnahmen, die vom Mars zu hören sind. Ob es noch mehr Geräusche als Windböen gibt, erkundet derzeit eine Mars-Mission der NASA.

Es geht bei Missionen wie dieser auch um immer wiederkehrende, existenzielle Fragen, um menschliche Spurensuche: Gibt es Leben außerhalb der Erde? Und wie könnte es aussehen? Da löst selbst eine kleine Windböe schon einen regelrechten Hype aus. Dabei ist das Leben außerhalb unserer Erde oft unwirtlich. In T.C. Boyles Buch "Die Terranauten" ziehen acht Menschen für zwei Jahre in ein geschlossenes Ökosystem ein. Es gibt keinen Weg rein und keinen Weg raus. Sie leben wie in einer "Kapsel" - und stehen sich mit all ihren Schwächen oft selbst im Weg. 

"Verkapselung" als Abschottung von der Umgebung

"Verkapselung" bedeutet in der Forschung so viel wie Schutz durch komplette Abtrennung von der Umgebung. Wer auf dem roten Planeten leben möchte, bei minus 50 Grad, müsste sich radikal abschotten. "Der Mars sei kein guter Planet für Menschen. Er sei lebensunfreundlich", sagt ESA-Generaldirektor Manfred Wörner. "Man müsste in Kapseln wohnen."

Stefanie Grossmann © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Es ist wichtig, sich aus Hüllen befreien zu können, meint Kirchenredakteurin Stefanie Grossmann.

Ein Leben ausschließlich in Kapseln ist für mich unvorstellbar. "Verkapselung" im Sinne von Schutz und Selbstheilung finde ich gut. Einfach einen Moment ganz bei sich selbst sein, bei sich selbst ankommen. In diesem Sinne gefällt mir das Wort Kokon besser. Aus dieser Art Hülle kann ich mich befreien, wieder erden. Ganz ohne den Hype einer Böe. Manchmal reicht ein Hauch. Auch Gott braucht kein Spektakel - er ist einfach da, hier auf der Erde. Dafür ein Kreuz des Glaubens.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 28.02.2021 | 07:30 Uhr

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Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

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