Piktogramm einer Frau vor vielen Männern © picture alliance/imageBROKER Foto: Christian Ohde

Kolumne: "Kein Ende der Diskriminierung"

Stand: 18.10.2020 07:30 Uhr

Seit 18. Oktober 1865 kämpfte der Allgemeine Deutsche Frauenverein für mehr Rechte. Doch auch nach 155 Jahren erfahren Frauen aufgrund ihres Geschlechts Diskriminierung.

von Stefanie Grossmann

Seit Sonntag fesselt uns die dritte Staffel von "Babylon Berlin". Vor allem die Protagonistin Charlotte. Als Kommissarsanwärterin bewegt sie sich nahezu furchtlos in einer Männerdomäne. Doch als sie zur Kommissarin in der "Mord" aufsteigen will, lassen sie die Prüfer trotz ihrer Kompetenz durchfallen. Wann ist die Zeit reif, für Frauen in höheren Positionen? Wann sind sie nicht mehr Diskriminierungen ausgesetzt?

"Frauenthemen" muss man Tausende Male lesen

Eine Frau mit Boxhandschuhen ©  www.jokerphoto.de Foto: Alexander Stein
Kommen nur Frauen mit männlichen Attitüden ganz nach oben?

Es scheint ein langer Weg zu sein. Klar, "Babylon Berlin" spielt 1929. Die Zeiten haben sich doch längst geändert, werden die meisten sagen. Doch dem ist nicht so. Auch nicht 2020, fast einhundert Jahre später. Das hat eine Kollegin gerade bei der Wohnungssuche erfahren. Sie durfte Objekte nicht besichtigen, weil sie im gebärfähigen Alter ist. "Wir mögen hier keine Kinder", bekam sie zu hören. Skandalös. Männer fragt man auch nicht nach der Kinderplanung.

Und Männer mögen solche "Frauenthemen" auch nicht so gerne hören: Zum Beispiel dass die Anzahl der Frauen in DAX-Vorständen gerade mal wieder gesunken ist, und erst 22 Frauen einen Nobelpreis bekommen haben, obwohl es viel mehr wegen ihrer Forschungsqualitäten verdient hätten. "Das habe ich doch schon alles 1.000 Mal gelesen", sagte ein Kollege. Manche Dinge müsse man Tausende Male lesen, erwiderte meine Kollegin. Ja, das ist so.

Kampf um Frauenrechte ist ein langer Weg

Frauen haben ihr Leben riskiert, um wählen zu dürfen. Wie die Sufragetten in Großbritannien. In Deutschland kämpfte der am 18. Oktober 1865 gegründete Allgemeine Deutsche Frauenverein für Frauenrechte. Mitbegründerin Auguste Schmidt forderte das Selbstbestimmungsrecht der Frau, insbesondere "in der Liebe die Freiheit der Wahl zu haben". Sie propagierte eine Ehe ohne Kirche und Standesamt. Scheidung sollte möglich sein. Das Recht auf Bildung sollte Frauen vor Armut bewahren.

Stefanie Grossmann © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Das Prinzip der Gleichheit darf nicht nur auf Papier existieren, findet Kirchenredakteurin Stefanie Grossmann.

Die Gründung des Frauenvereins liegt jetzt 155 Jahre zurück. Trotzdem verdienen Frauen in vielen Branchen immer noch weniger als Männer, und erfahren immer noch Diskriminierung auf Grund ihres Geschlechts. "Männer und Frauen sind gleichberechtigt", heißt es im Grundgesetz. Und auch Gott macht kein Unterschied. Bleibt zu hoffen, dass sich das Prinzip der Gleichheit endlich auch in der Gesellschaft verankert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 18.10.2020 | 07:30 Uhr

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