Eine junge Frau mit einem roten Regenschirm © photocase.de Foto: Maria Vaorin

Kolumne: "Träumt weiter!"

Stand: 25.04.2021 07:30 Uhr

Für viele Menschen bedeutet die Corona-Pandemie Stillstand und zerschlagene Pläne. Für Träume ist da wenig Platz. Dabei sind sie Ausdruck einer lebendigen Hoffnung.

von Julia Heyde de López

Ein quadratisches Büchlein, in Stoff eingeschlagen, an der Seite ein kleines Schloss. Mein altes Tagebuch aus Schulzeiten ist mir beim Aufräumen in die Hände gefallen. Die weißen Blätter sind mit Tintenfüller vollgeschrieben. Typisch Teenager, es geht um Freundinnen, Klassenfahrten, Herzschmerz. So blättere ich durch die Seiten und stoße plötzlich auf einen erstaunlich sinnigen Gedanken: "Ich hab noch so viel vor in meinem Leben. Ob ich das alles schaffe und meine Träume verwirklichen kann? Die Zeit ist doch viel zu kurz. Ehe man sich’s versieht, ist man über 30. Das stelle ich mir furchtbar vor."

Ich muss lachen. Natürlich, in den Augen einer ungeduldigen 15-Jährigen wirken Leute jenseits der 30 wie Greise. Doch die Frage nach den Träumen, die ich vor so vielen Jahren notierte, berührt mich: Was stelle ich an mit der kurzen, mir auf dieser Erde geschenkten Zeit?

Träume als Wegweiser im Leben

"Ich habe einen Traum", sagte Martin Luther King und meinte seine politische Vision von Gerechtigkeit und Frieden. Aber auch kleine - private - Träume sind hoffnungsmutige Wegweiser. Sie geben die Richtung vor, nicht immer geradlinig, manchmal ist der Pfad steinig, aber es geht vorwärts. Sie können sanft beflügeln oder auch wie ein Tritt in den Hintern sein. Träume lassen uns Neues beginnen und wagen, und zwar in jedem Alter.

Julia Heyde de López © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Träume sind Ausdruck einer lebendigen Hoffnung, sagt Kirchenredakteurin Julia Heyde de López.

Nun fühlt es sich so an, als befänden wir uns derzeit in einer traumlosen Zeit. Pandemie bedeutet für viele Stillstand und zerschlage Pläne. Ich sage, lasst uns gerade deshalb jetzt weiter träumen - gegen alle Angst und Bitterkeit und Resignation. Träume müssen nicht "geschafft" werden, um ihre Wirkung zu entfalten. Sie sind Ausdruck einer lebendigen Hoffnung. Das verstehe ich heute besser als damals mit Fünfzehn. Träume zu haben, gibt unserem Leben Tiefe, Vision und Herz.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 25.04.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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