Eine Regenbogen-Fahne vor blauem Himmel © Pixabay Foto: rihaij

Kolumne: "Römische Ohnmacht"

Stand: 21.03.2021 07:30 Uhr

Die katholische Kirche sieht sich nicht befugt, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Das hat die Glaubenskongregation des Vatikan klargestellt - sie sorgt damit für große Aufregung in der Kirche.

von Klaus Böllert

Roma locuta, causa finita. Rom hat gesprochen, die Sache ist entschieden. Das war einmal. Am Montag hat die Glaubenskongregation im Vatikan klargestellt, dass die katholische Kirche keine Vollmacht habe, homosexuelle Verbindungen zu segnen. Alles klar? Von wegen.

Bischof Bätzing ist enttäuscht vom Vatikan

So schnell habe ich selten eine Flut von Stellungnahmen von Jugend- und Frauenverbänden gesehen, von ungezählten Einzelpersonen, von der großen Mehrheit der deutschen Bischöfe. Und die Pfarrei St. Agnes in Köln ließ die Regenbogenfahne wehen. Auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing zeigte sich enttäuscht. Man könne intensive inhaltliche Auseinandersetzungen nicht einfach für beendet erklären. Wörtlich: "Die von der Glaubenskongregation heute vorgebrachten Gesichtspunkte müssen und werden selbstverständlich in diese Gespräche Eingang finden." Auch so kann man ein Machtwort entzaubern.

Rom will seit jeher die Ehe stärken

Rom wolle doch nur die Ehe stärken, schreiben drei deutsche Bischöfe. Da kann ich als heterosexuell verheirateter Mann nur sagen: Danke, aber meine Ehe wird nicht dadurch gestärkt, dass anderen Liebenden der Segen verweigert wird. Viele weisen Rom auch auf die gar nicht mehr so neuen Erkenntnisse der Wissenschaften hin, dass Menschen sich ihre sexuelle Orientierung nicht aussuchen. Homosexuelle sind als solche Gottes gute Schöpfung.

Klaus Böllert © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Die Sexualmoral ist der ewige Knackpunkt in der Argumentation der katholische Kirche, meint Kirchenredakteur Klaus Böllert.

Der ewige Knackpunkt in der Argumentation: Sex darf es nach dem katholischen Lehramt nur in der Ehe geben, in einer heterosexuellen Ehe, in der niemand geschieden ist. Nicht bei Homosexuellen, nicht in einer neuen Liebe nach einer Scheidung, nicht vor der Ehe und nicht als Single. Das ist der Knoten, der durchschlagen werden muss. Aus meiner Sicht einfach, indem gesagt wird: In Bezug auf Sexualmoral gilt das, was allgemein in der Moral gilt, also zum Beispiel das ich niemanden ausbeuten und erniedrigen darf. Das reicht. Wann und wo sich Liebende lieben, können die dann sehr gut selbst entscheiden.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Deshalb diese Woche einen Anker.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 21.03.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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