Sendedatum: 27.09.2020 07:30 Uhr

Kolumne: "Die Apokalypse sind wir"

von Klaus Böllert
Klaus Böllert © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Kirchenredakteur Klaus Böllert macht sich Gedanken über die Zukunft der Erde.

Für die ersten Christen war das nahende Ende der Welt so selbstverständlich, dass Paulus mahnen musste, die alltäglichen Aufgaben nicht zu vernachlässigen. Da dachten einige wohl, das lohne sich nicht mehr. Die Bibel endet auch mit der Offenbarung des Johannes, mit der Apokalypse, dem Gericht am Ende der Welt. Solche Gedanken spielen in der christlichen Verkündigung heute eigentlich keine Rolle mehr. Das Ende der Welt rufen höchstens noch kleine Splittergruppen aus - und sie werden belächelt.

Umso erstaunter war ich, als ich im Buch "Das Ende der Evolution" vom Hamburger Evolutionsbiologen Matthias Glaubrecht von den "Reitern der Apokalypse" las. "Heute jedoch heißen die neuen und wahren apokalyptischen Reiter Bevölkerungsexplosion, Ressourcenverknappung, Umweltzerstörung - und in der Folge davon Biodiversitätskrise und Artensterben", schreibt der Wissenschaftler. Ganz nüchtern belegt er faktenreich, wie wir unsere Existenz gefährden, weil die Erde nicht mehr bewohnbar sein könnte - und das schon am Ende dieses Jahrhunderts!

Klimawandel und Artensterben bedrohen die Erde

Eine Weltkugel wird von zwei Händen schützend gehalten © fotolia.com Foto: dp@p
Jeder kann etwas gegen Klimawandel und Artensterben tun, um die Erde zu bewahren.

Das Ende der Welt, besser gesagt das Ende der Menschheit ist inzwischen eine realistische Perspektive. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler streiten nur noch darum, was uns zuerst umbringen könnte: das Artensterben oder doch der Klimawandel. Das Ende der Welt? Eine Bedrohung, die Angst macht und lähmen kann. Oder zum Handeln bewegen. Deswegen freue ich mich über jeden einzelnen jungen oder auch nicht mehr so jungen Menschen, der beim Klimastreiktag am Freitag mitmacht. Denn noch ist es eben nicht zu spät. Der Klimawandel kann begrenzt werden. Und auch Matthias Glaubrecht beendet sein Buch mit einer positiven Vision.

Warum? Aus dem gleichen Grund, aus dem auch ich mich nicht mit Untergangsszenarien abfinden will. Matthias Glaubrecht hat sein Buch den zwei "Erdlingen" gewidmet, die fragen werden, warum wir nichts unternommen haben. Meine beiden Erdlinge heißen Konrad und Oskar. Für sie vergebe ich einen Anker der Hoffnung.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 27.09.2020 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.