Sendedatum: 11.02.2018 09:15 Uhr

Kirche zeitgemäßer gestalten: U45

von Susanne Richter
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Radiopastorin Susanne Richter mit den U45-Pastoren Alexander Braun, Heiko Landwehr, Christian Schack (v.l.n.r.)

"Wie, Sie sind Pastorin? Aber Sie sind doch ganz modern." Das hab ich öfter mal gehört, als ich nach dem Studium in die Gemeinde gekommen bin. "Bisschen altmodisch, moralisch und verstaubt, das ist das Bild von Kirche, was viele noch im Kopf haben“, sagt auch Christian Schack, Pastor in Hamburg. "Der Pfarrer, so wie es ihn vor 20 oder 30 Jahren gegeben hat, den gibt es nicht mehr. Wir sind total im Wandel. Es gibt immer mehr Pastorinnen und Pastoren, die jetzt neu in den Dienst kommen."

Christian Schack gehört zu U45, einer Gruppe junger Pastorinnen und Pastoren in Hamburg, die sich nicht abfinden will. "Wir wollen Kirche zeitgemäßer gestalten. Dass sie wieder stimmig ist."

Veraltete Strukturen aufbrechen

Alexander Braun gehört auch zum Team: "Die Gottesdienstform muss dazu passen, wie Menschen ihr Leben leben. Das hängt von der Gottesdienstzeit ab, aber auch von der Musik, die in den Gottesdiensten stattfindet und von der Ausstrahlung."

Dieser Gedanke allein wäre nicht völlig neu. Probieren schließlich viele Gemeinden, attraktiver und lebendiger zu sein. Neu an U45 ist: Sie gehen ran an die veralteten Strukturen: "Das heißt, nicht eine Vereinskirche zu produzieren, die schon 30 oder 40 Jahre alt ist, sondern etwas - oder den Raum - anzubieten, wo Menschen sich selber wiederfinden können mit dem, was sie heute interessiert", sagt Alexander Braun.

Im Team vernetzter arbeiten

Wie aber soll das konkret aussehen? U45 setzt da an, wo es Spaß macht, sagt Christian Schack. Jeder Pastor kann sich Arbeitsbereiche aussuchen, die ihm besonders liegen. Und in der Region wird in Teams zusammengearbeitet. Das spart Kräfte.

"Ein Model, in dem wir vernetzter und ressourcenorientierter arbeiten; wo wir mehr nach dem arbeiten, was wir wollen, wo liegen unsere Stärken, wo liegt unsere Lust, etwas zu tun. Und dadurch wird sich ganz viel ändern, wenn wir das tun können, worauf wir wirklich Lust haben", hofft Christian Schack. "Viele gute Ideen, innovative Events, Stadtteilaktionen oder neue spirituelle Formate kommen dadurch nämlich zu kurz, weil alle immer alles machen müssen. Manche Veranstaltungen sind auch einfach überholt."

Zeit für attraktive Glaubensangebote

Er fügt hinzu: "Extrem viel Zeit geht für Dinge drauf, von denen ich eigentlich keine Ahnung habe." Verwaltung habe er nicht studiert, Verwaltung will er nicht machen.

Christian Schack möchte endlich ausreichend Zeit haben für das, was ihn begeistert: Gemeinsam Glauben modern gestalten. So, dass es vielleicht auch attraktiv ist für Leute, die bis jetzt noch nichts mit Kirche am Hut haben.

Dieses Thema im Programm:

Kirche im NDR | Moment mal | 11.02.2018 | 09:15 Uhr

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