Sendedatum: 14.04.2018 19:05 Uhr

Keine Schuld bei Schusseligkeit empfinden

von Antoinette Lühmann
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Schusseligkeit im Alltag - davon sind rund 90 Prozent aller Menschen betroffen.

Ich verbringe jeden Tag viel Zeit mit Suchen. Regelmäßig bin ich fest davon überzeugt, dass ich mein Portemonnaie, die Autopapiere und die Schlüssel an den dafür vorgesehenen Ort gelegt habe. Ein Schälchen in der Küche. Und wenn ich dann los will, sind sie nicht dort. Auch mein Handy scheint manchmal zu wandern. Ich suche es fast jeden Tag mindestens einmal und wundere mich, an welch seltsamen Stellen ich es wiederfinde.

Heimliche Helfer im Haushalt

Vielleicht mag ich deshalb gerne Geschichten, in denen kleine Wesen die Untermieter sind und manchmal etwas Chaos anrichten und Dinge verschwinden lassen. Ich war schon als Kind ein großer Fan von Heinzelmännchen. Die Geschichten, in denen sie die Stube betreten und heimlich nähen und den Haushalt in Ordnung bringen, haben mich fasziniert. Was für eine wunderbare Vorstellung: winzige Verbündete, die niemand sonst sehen kann. Wir haben dann in der Schule "Der Indianer aus der Hosentasche" gelesen. Das begann auch ganz heiter, wurde aber irgendwann gefährlich, als ein kleiner Cowboy auftauchte und die beiden sich echte Verletzungen zufügten. Sie mussten dann durch den magischen Küchenschrank wieder in ihre Welt zurückgeschickt werden.

Freude statt Schuld empfinden

In der Bibel gibt es keine Geschichten über Heinzelmännchen oder winzige Indianer und Cowboys. Aber es geht dort auch ums Verlieren und Wiederfinden. Wie zum Beispiel in der Geschichte vom verlorenen Schaf. Ein Schaf geht verloren und der Hirte lässt die ganze Herde zurück, um dieses eine zu suchen. Am Ende ist große Freude über das wiedergefundene Schaf. Jesus erzählt diese Geschichte und er hält keinen Vortrag, warum ausgerechnet dieses eine Schäfchen verloren gegangen ist. Er erhebt auch keine Vorwürfe, weil der Hirte deshalb die ganze große Schafherde ohne Wache zurückgelassen hat, um das eine zu suchen. Statt Schuldzuweisungen pure Freude über das Wiederfinden.

Eigentlich mag ich das Wort Schuld nicht besonders. Aber manchmal träume ich von Heinzelmännchen. Denn in jedem Haushalt verschwinden an und wann Socken und Haustürschlüssel. Und es wäre doch schön, wenn man endlich jemandem die Schuld dafür geben könnte. Außerdem würden sie vielleicht auch mal beim Wiederfinden helfen.  

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 14.04.2018 | 19:05 Uhr