Gruppe junger Leute bilden einen Kreis © Fotolia.com Foto: william87

"Integrationspaten" begleiten durch den Alltag

Stand: 24.08.2021 14:25 Uhr

Integration, das sagt sich so leicht. Aber mit Hilfe geht es besser. In Hamburg gibt es für Flüchtlinge das Projekt der Diakonie: die "Integrationspaten".

von Julia Heyde de López

Nadine Schröder koordiniert das diakonische Projekt und erklärt, was dahintersteckt: "In unserem Projekt 'Integrationspaten' erhalten geflüchtete Menschen Unterstützung zum Beispiel in Form von Begleitung zu einzelnen Terminen, das heißt zu Ärztinnen und Ärzten, Behörden oder Beratungsstellen, und dabei geht es normalerweise ums Dolmetschen. Das bedeutet, die Menschen können ihre Termine wahrnehmen, auch wenn sie noch nicht so gut Deutsch sprechen können."

Zusätzlich können Flüchtlinge auch Unterstützung in Form von längerfristigen Patenschaften bekommen. Dabei gehe es um ganz unterschiedliche Themen: Deutsch sprechen, Hamburg kennen lernen, oder jemanden bei der Berufsschule unterstützen, Bewerbungen schreiben. Das Ziel sei es, geflüchtete Menschen mit Hamburgerinnen und Hamburgern zusammenzubringen, um den interkulturellen Austausch und die Teilhabe zu fördern, so Schröder weiter.

In diesem Bereich engagieren sich auch sehr viele Ehrenamtliche, die selbst einmal als Flüchtling nach Deutschland gekommen sind, sagt Nadine Schröder. "Sie haben am Anfang selbst Hilfe erhalten und möchten jetzt ihre Möglichkeiten der Unterstützung weitergeben, was wir total großartig finden."

Austausch im digitalen Raum durch Corona

Auch während der Coronazeit konnte die Arbeit weitergeführt werden: Die Patenschaften verlegten sich mehr in den digitalen Raum, oder man traf sich draußen bei Spaziergängen. Und auch die Begleitungen haben weiterhin stattgefunden. "Wir haben uns riesig darüber gefreut, dass wir gerade in diesen Zeiten verstärkt Zulauf von neuen Ehrenamtlichen bekommen haben. Die Menschen hatten auf einmal viel mehr Zeit, um sich Gedanken über ein Ehrenamt zu machen, wollten diese Zeit sinnvoll nutzen und etwas in die Tat umsetzen, was sie sich schon länger vorgenommen hatten", erläutert Schröder.

Steg am See im Sonnenuntergang. © Jenny Sturm/fotolia Foto: Jenny Sturm
AUDIO: Moment mal (3 Min)

Um selbst als Patin oder Pate tätig zu werden, ist es hilfreich, wenigstens eine weitere Fremdsprache zu sprechen. Und:  Für die Patenschaften solle man Lust und Zeit haben, sich circa einmal die Woche persönlich zu treffen und zwischendrin vielleicht per WhatsApp zu helfen. Da bekomme man zum Beispiel ein Foto von einem Brief, der erklärt werden solle. Die Begleitungen fänden eher partiell und unregelmäßig statt, dafür dann tagsüber, während der Öffnungszeiten von Behörden oder Praxen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 22.08.2021 | 09:15 Uhr

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