Stand: 15.07.2020 08:00 Uhr

In die Ferne schweifen

von Pastor Bernd Lohse
Bergsteiger auf dem Gipfel. © Fotolia.com Foto: Norman Chan
An fremden Orten sind wir oft achtsamer und wacher - und können uns überraschen lassen.

Mit Abstand sieht man einfach besser. Ob es nun das Regal im Supermarkt ist, in dem ich etwas suche, oder der Blick in den Garten - von Ferne gewinne ich einfach besser den Überblick. Aus der Distanz sehe ich den Wald trotz der vielen Bäume. Wenn ich mittendrin stehe, dann erkenne ich ihn nicht.

In der Corona-Pandemie hat mir genau das gefehlt: in die Ferne schweifen, um von dort das nahe Gute wieder erkennen zu können. Ferne, andere Orte und Standpunkte sind einfach kostbar. Ist das der Grund, weshalb wir im Urlaub an andere, auch fremde Orte reisen? Wir entdecken Neues, sehen aber auch das Alte in deutlicherem Licht.

In der Fremde Gott begegnen

Wer immer am selben Ort bleiben muss, fühlt sich schnell eingesperrt. So habe ich es erlebt, als Corona mein und unser Leben so dominiert hat. Jetzt aber geht es endlich wieder in die Ferne, Stück um Stück. Die Ferne, das Fremde - das ist der Ort, an dem Gott den Menschen begegnen will, davon erzählt die Bibel auf viele Weisen. Es ist wohl so, dass wir an fremden Orten achtsamer und wacher sind. Und uns überraschen lassen können.

Urlaub ist auch geistliche Zeit, in der Glaube und Spiritualität vielen Menschen bewusster wird und Kirchen, Tempel, Klöster und Natur aufgesucht werden. Vertiefung, Schönheit und der andere, fremde Blick aufs Leben - sozusagen mit Gottes Augen sehen: Da erkennt man vieles, das mir sonst eher verborgen schien. Deshalb tut ja pilgern so gut, und wandern, in die Ferne fahren oder wegfliegen. Geist, Seele und Sinne weiten sich, eben auch für Gottes Güte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 15.07.2020 | 09:45 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kirche/In-die-Ferne-schweifen,ferne100.html

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.