Stand: 17.09.2020 14:31 Uhr

In aller Herrgottsfrühe

von Julia Heyde de López
Sonnenaufgang über einer Landschaft © NDR Foto: Birthe Schmerbauch aus Bad Doberan
Früh aufzustehen ist manchmal eine ziemliche Herausforderung, wenn es im Bett gemütlich ist.

"Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche…" Von William Shakespeare sind diese berühmten Verse, und wer kein Vogelkundler ist, muss wissen: Die Lerche ist eine "Tagverkünderin", ein Vogel, der morgens in aller Herrgottsfrühe singt, wenn es gerade so dämmert.

"Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern..." So versucht mich nach dem Weckerklingeln auch meine überaus gemütliche Matratze zum Bleiben zu überreden. Das ist so verlockend, Vogelgesang hin oder her. Aufstehen in aller Herrgottsfrühe ist für mich doch immer wieder eine Herausforderung.

Gutgelaunt auch ohne Kaffee

"Herr-gotts-frühe". Ich mag dieses Wort, es hat etwas angenehm Altmodisches. Es klingt nach in die Küche gehen und Frühstück machen, während alle anderen noch schlafen. Nach neblig-leeren Wegen und Straßen, Hahnenschrei, Brötchengeruch und blassblauem Morgenhimmel. Und es klingt so, als wäre Gott ein fröhlicher Frühaufsteher, gutgelaunt auch ohne Kaffee.

Angeblich verweist die Redewendung darauf, dass Gott derjenige ist, der uns die Zeit schenkt. Er sagt wohl: "Hier ist dein Tag. Mach was draus. Starte ihn zusammen mit mir, in der Herrgottsfrühe. Nimm dir kurz Zeit für dich und für mich. Schön, dass du da bist! Und dann – raus aus den Federn! Denn das war definitiv gerade die Lerche…"

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Morgenandacht | 18.09.2020 | 06:20 Uhr

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