Porträt der Bischöfin Kirsten Fehrs im Talar © Nordkirche Foto: Marcelo Hernandez

Hand in Hand für Menschenrechte

Sendedatum: 15.09.2021 09:40 Uhr

Die sogenannte "Rettungskette" soll von Hamburg bis an die Küste Italiens führen. Ein Zeichen für mehr Menschlichkeit in Europa und gegen das Sterben im Mittelmeer. Bischöfin Kirsten Fehrs erinnert das an eine biblische Fluchtgeschichte.

von Bischöfin Kirsten Fehrs

Von Hamburg bis Bozen wird die Menschenkette reichen, die am Sonnabend ein Zeichen setzen will für mehr Menschlichkeit und gegen das Sterben im Mittelmeer. Mehr als eintausend Kilometer "Hand in Hand für Menschenrechte". So heißt das Motto, unter dem sich beeindruckend viele Initiativen und Organisationen zusammengeschlossen haben.

Es wird Lücken geben, aber ein starkes Signal ist es trotzdem: Wir reichen uns die Hand und stehen zusammen für Menschen, die aus unerträglichen Lebensumständen zu entkommen versuchen. Wissen wir doch alle um die Not, den Unfrieden, die Ungerechtigkeit und die Folgen des Klimawandels, die in so vielen Regionen dieser Welt herrschen. Wir wissen um die Fluchtbewegungen, die uns alle etwas angehen. Deshalb schauen wir nicht weg.

Das ist die Botschaft. Wir reichen uns die Hand und reichen damit ihnen die Hand – den Menschen, die heimatlos werden und meist nichts weiter suchen als einen Platz, an dem sie friedlich leben können. Oder wenigstens über-leben.

Die schönste Form von Menschlichkeit

Eine der bewegendsten Fluchtgeschichten der Bibel ist für mich die von Ruth. Ruth hatte einen Flüchtling geheiratet, der einst auch vor einer Hungersnot geflohen und nun in ihrem Land heimisch geworden war. Als er stirbt, ist für Ruth klar: Seine Familie bleibt meine Familie. Und sie gibt ihrer Schwiegermutter dieses berühmte Versprechen: "Wo du hin gehst, da will ich auch hin gehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott."

Selbst als die Schwiegermutter schließlich in ihr Heimatland zurückkehrt, bleibt Ruth an ihrer Seite und lässt die alte Frau nicht im Stich. Sie wird also auf einmal selbst zur Fremden, dort in der ehemaligen Heimat ihres Mannes, und: Sie wird herzlich aufgenommen.

Flucht bringt unsere Welt ziemlich durcheinander. Weil darin so viel Not steckt, die uns zum Umdenken zwingt. Dein Volk wird mein Volk. Vielleicht ist genau dies die schönste und elementarste Form von Menschlichkeit: Dass jemand zählt, obwohl er völlig fremd ist. Einfach, weil jeder Mensch zählt. Reichen wir uns also am Sonnabend die Hand. Für Menschenrechte und gegen das Sterben im Mittelmeer.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 15.09.2021 | 09:40 Uhr

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