Sendedatum: 14.10.2018 09:15 Uhr

"Ein Sterbender braucht einen guten Zuhörer"

von Julia Heyde de López
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In der Hamburger Hospizwoche gibt es rund 70 Veranstaltungen, die Hilfe und Orientierung bieten.

Wer Menschen an ihrem Lebensende begleitet, erlebt manchmal diesen besonderen Moment. Wenn plötzlich die Zeit stillsteht und ein tiefer Frieden in der Luft liegt. Angela Reschke nennt diesen Moment "Hospizwunder". Es sei dann so, als ob "die Fragen aufhören und sich ein Stück Himmel öffnet", sagt sie. Diesen Moment großer Klarheit würden nicht nur Hospizler erleben, sondern auch die sterbenden Menschen selbst.

Sterbende und Angehörige im Blick

Angela Reschke arbeitet im Hamburger Hospiz im Helenenstift. Dort ist sie unter anderem zuständig für die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Der Verein betreibt ein stationäres Hospiz sowie einen ambulanten Hospizdienst und eine Beratungsstelle. Er ist konfessionell nicht gebunden, Spiritualität und Seelsorge sind aber trotzdem wichtig. Einmal in der Woche kommt eine ehrenamtlich tätige Pastorin zu Besuch. Für andere Konfessionen und Religionen stellt das Hospiz auf Wunsch Kontakt zu Geistlichen her.

Das Helenenstift kann bis zu 16 Gäste aufnehmen. Die meisten haben nur noch wenige Wochen, manchmal einige Monate zu leben. Sie werden umfassend versorgt, und auch die Angehörigen hat das Hospiz im Blick. "Nicht umsonst haben wir eine Sozialarbeiterin und eine Psychologin im Haus. Ganz wesentlich für die mitmenschliche Begleitung sind auch die etwa 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich hier sehr aktiv einbringen", erläutert Reschke.

Sterbende brauchen einen guten Zuhörer

Diese Ehrenamtlichen sind eine Säule der Hospizbewegung. Sie werden, bevor sie ihre Tätigkeit aufnehmen, über mehrere Monate geschult. In den sogenannte Befähigungskursen geht es vor allem um eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod und mit eigenen Trauererfahrungen. Denn nur jemand, der sich in dieser Hinsicht kennt, kann Schwerstkranken und Sterbenden gut begegnen und offen kommunizieren, sagt Reschke. Ein sterbender Mensch brauche keine fremden "Rezepte oder fremde Lebenserfahrung", so Reschke weiter. Sondern vor allem einen guten Zuhörer. "Wobei auch nicht jede Begegnung tiefschürfende Sinnfragen aufwirft. Oft steht die pure Lebensfreude im Vordergrund."

Das bedeutet, den kostbaren Alltag der Sterbenden nach ihren Wünschen mit kleinen Glücksmomenten zu füllen. Das tun die Hospizler sehr engagiert. Noch bis zum 21. Oktober gibt es im Rahmen der Hamburger Hospizwoche viele Veranstaltungen zum Thema Tod, Trauer und Trost. Ehrenamtliche erzählen von ihrem Engagement, Hospize bieten Führungen und Informationen. Im Helenenstift gibt es eine Ausstellung, deren Kunstwerke bis zum Dezember ersteigert werden können.

Weitere Informationen
02:50

Moment mal: Hospizwoche

Hospize wie das Helenenstift in Hamburg betreuen Sterbende und ihre Angehörige. Angela Reschke ist für die Öffenlichkeitsarbeit zuständig. Kirchenredakteurin Julia Heyde de López sie getroffen. Audio (02:50 min)

70 Veranstaltungen zur Hamburger Hospizwoche

Sterbebegleitung, Tod und Trauer: Das sind die Themen der Hamburger Hospizwoche. Rund 70 Veranstaltungen bieten Hilfe und Orientierung. Es gibt unter anderem Führungen und Vorträge. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 14.10.2018 | 09:15 Uhr