Bunte Putzschwämme © photocase Foto: kathi_schüler

Frühlingsputz und Aufräumen im Lockdown

Sendedatum: 25.05.2021 09:40 Uhr

Der Lockdown hat es möglich gemacht: Viele Menschen haben ihre Keller entrümpelt, ihre Häuser renoviert oder ausgiebigen Frühjahrsputz gemacht.

von Pastorin Erneli Martens

Ich putze nicht gern, schon gar nicht aus Leidenschaft, aber dies Jahr war es anders. Mein Blumenhändler entwarf ein wunderschönes Ensemble an Frühlingsblühern für meinen Balkon. Der Maler, längst überfällig, kam und lachte: Ja, wie ist es nächste Woche? Ein Kunde sei abgesprungen - das könnte losgehen.

Ich stand da - und holte tief Luft. Jetzt lohnt sich der Frühlingsputz erst recht. Schon lustig, was ein Lockdown so alles mit einem macht. Nach Wändestreichen und Putzen habe ich irgendwie die Stopptaste nicht gefunden und gleich auch noch den Keller aufgeräumt. Mit den verstaubten Dingen aus den Regalen fand ich auch alte Sorgen wieder: Kann das sein, dass es nie wieder so sein wird wie früher? Das Erschrecken mischte sich mit Trotz. Du wirst sehen, es wird wieder gut!

Sonnenklar fühle ich die Sehnsucht, Menschen zu begegnen, ihre fröhliche Nähe zu genießen. Überhaupt: Einem Menschen unbekümmert begegnen; was für ein Reichtum.

Großzügigkeit erhellt die Seele

Neulich beim Einkaufen. Ich flitze durch die Gänge. Weiß, was ich will und bin guter Dinge. Aus diesem Schwung heraus schiebe ich meinen Wagen und begegne einem Mitarbeiter der Filiale. Lache ihn fröhlich an und grüße ihn. Er grüßt zögernd, aber dann doch nickend zurück. Im Weitergehen blitzt es irgendwo in meinem Kopf auf: Ach, wie schön - und, irgendetwas war, aber was.

Na gut, keine Zeit zum Grübeln. Also stehe ich an der Kasse, will meinen Einkauf auf das Band legen und da sehe ich: Meine Maske, nicht im Gesicht, sondern am Handgelenk. Das war es also. Wie großzügig. Wie unbekümmert. Ja, das tut der Seele gut. Es ist schon eine Zeit her - diese kleine feine Großzügigkeit - und sie macht die Seele hell.

Ich nehme mir fest vor: Im alltäglichen Hin und Her bleibe ich Gott auf der Spur. Manches lasse ich in diesem Frühling zurück. Manches ist aufgeräumter als in anderen Jahren. Zwischendrin lacht mich die Sonne von unerwarteter Seite an.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 25.05.2021 | 09:40 Uhr

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