Ein Mann mit Aluhut wischt mit einem Fensterreiniger Wolken zur Seite. © Pixabay Foto: Ria Sopala

Die alten Propheten waren nicht Everybody's Darling

Sendedatum: 21.10.2020 09:40 Uhr

Ein Prophetenwort muss verständlich sein. Es lohnt sich gerade jetzt genauer hinzuschauen. Allein, um nicht irgendwelchen Verschwörungstheoretikern auf den Leim zu gehen.

von Pastor Michael Ellendorf

"Die Worte der Propheten stehen geschrieben in U-Bahn-Schächten und an Häuserwänden" - so haben Simon & Garfunkel mal in "Sounds Of Silence" gesungen. Ja, kann sein, wer weiß? Ist der Mann, der auf der Straße unaufhörlich unverständliches Zeug vor sich hin redet, womöglich auch ein Prophet? Das kann schon sein. Vielleicht sind auch Nena oder der Wendler Propheten? Auch wenn sie erstmal ziemlich verquast daherkommen. Es ist nicht auszuschließen.

Etwas Respekt ist schon angebracht, finde ich. Nicht gleich sagen: weg mit den Schmierereien. Oder, der spinnt doch. Oder, die wollen sich halt mal wieder ins Gespräch bringen, egal wie. Propheten haben es schwer. Vor allem dann, wenn sie Unangenehmes verkünden. Oder Kompliziertes.

Propheten wurden öffentlich angegriffen und verspottet

Das war schon zu biblischen Zeiten so. Die alten Propheten, Gestalten wie Jesaja, Jeremia, Micha - die waren nicht Everybody's Darling. Die lebten im Gegenteil ziemlich gefährlich, wurden öffentlich angegriffen und verspottet. "Wenn ihr weiter so lebt, Menschen mit Füßen tretet und Gott verachtet - dann wundert euch nicht, wenn eure Zukunft rabenschwarz ist." So etwas haben Jesaja oder Micha ihren Zeitgenossen gesagt. Und die hörten das nicht gerne.

Heißt natürlich andersherum nicht, dass jeder, der irgendetwas daherredet, gleich ein großer Prophet ist. Aber wie soll man sie auseinanderhalten - die echten Propheten auf der einen und die Spinner sowie Selbstdarsteller auf der anderen Seite ?

Botschaft muss klar formuliert sein

Ein Mann schreit etwas in ein Megafon. © Bastografie / photocase.de Foto: Bastografie / photocase.de
Es ist wichtig, klare Botschaften zu vermitteln.

Dazu gibt's in der Bibel zwei gute Hinweise. Zunächst, schaut genau, was hinten rauskommt. Sagt einer: morgen geht die Welt unter - und übermorgen steht noch alles, dann war das kein Prophet oder ein schlechter. Zweiter biblischer Hinweis: Ein Prophetenwort muss verständlich sein; es sollte schon klar werden, worum es geht. Etwas Wolkiges wie "Lasst uns ins Licht gehen" erfüllt diese Anforderung nicht.

Genau hinschauen lohnt sich, gerade jetzt. Allein, um nicht irgendwelchen Verschwörungstheoretikern auf den Leim zu gehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 21.10.2020 | 09:40 Uhr

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