Sendedatum: 12.10.2018 10:40 Uhr

Denis Mukwege kämpft für die Rechte von Frauen

von Julia Heyde de López
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Für seinen Kampf gegen sexuelle Gewalt bekommt Denis Mukwege 2018 den Friedensnobelpreis.

Selten habe ich mich bei einer Vergabe des Friedensnobelpreises so gefreut wie in diesem Jahr. 2018 ist einer der Preisträger Denis Mukwege. Er ist Arzt in der Demokratischen Republik Kongo, und im vergangenen Jahr hatte ich das große Glück, ihn zu treffen und ihm zuzuhören. Mukwege leitet in der Stadt Bukavu im Osten des Kongo ein Krankenhaus, wo er Frauen behandelt und operiert, die sexuelle Gewalt erfahren haben. Er betont, dass Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung und Frauenfeindlichkeit weltweit ein Problem sind. "In Frankreich zum Beispiel wird alle drei Tage eine Frau von ihrem Partner getötet. Das ist unfassbar", so Mukwege. "Ich denke, hier zeigt sich eine Krise in der Beziehung zwischen Männern und Frauen."

Sexuelle Gewalt wie Chemiewaffen ächten

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Denis Mukwege (rechts) fordert die Weltgemeinschaft auf, sexuelle Gewalt an Frauen stärker zu ächten

Noch schlimmer ist es in Ländern mit Kriegen und Konflikten. Dort wird Vergewaltigung häufig systematisch als Kriegswaffe eingesetzt, mit dem Ziel, den Gegner zu erniedrigen. Zum Beispiel der Fall der jesidischen Frauen im Irak, die als Kriegsbeute verteilt und verkauft wurden: "Was wurde ihnen nur angetan? Was für eine Entmenschlichung! Sehen wir Männer Frauen wirklich als gleichberechtigt, als uns ebenbürtig, wenn es im 21. Jahrhundert noch möglich ist, Menschen zu verkaufen? Das ist vollkommen inakzeptabel. Und ich denke, die Welt hat da noch nicht genug getan." Sexuelle Gewalt müsse international ganz offiziell geächtet werden, fordert Mukwege. So wie es bei Chemiewaffen der Fall ist.

Kirche muss Stimme der Frauen sein

Mukwege appelliert auch an die Kirchen: "Wenn wir zu Christus gehören, haben wir keine Wahl. Dann müssen wir an der Seite der Schwachen sein, an der Seite der Verwundeten, der Flüchtlinge und der Frauen, die diskriminiert werden", sagte er. Wer zu Christus gehöre, müsse den Mund aufmachen und das Böse verurteilen. Gott habe der Kirche die Sprache geschenkt, damit sie die Stimme der Stummen sei. Damit sie die Gefangenen befreie und immer nach dem Reich Gottes Ausschau halte. Eine frauenfeindliche Theologie, die einen geringeren Status der Frau gegenüber dem Mann betone, müsse ersetzt werden durch eine Theologie der Wertschätzung der Frauen, so Mukwege.

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Mukwege teilt sich Friedensnobelpreis

Seine Rede, sein bewegender Appell, endlich etwas gegen Gewalt an Frauen zu unternehmen, hat mir aus der Seele gesprochen. Aus seinen Worten sprach auch eine Vision, was möglich wäre in dieser Welt, wenn sich Männer und Frauen wirklich als ebenbürtige Partner begegnen würden. Nun bekommt Dr. Mukwege im Dezember den Friedensnobelpreis, die gute Nachricht erreichte ihn im Operationssaal. Er teilt sich die Auszeichnung mit der Yesidin Nadia Murad, die selbst sexuelle Gewalt erfahren hat. Zwei starke Stimmen für die Rechte der Frauen.

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N-JOY | Radiokirche bei N-JOY | 12.10.2018 | 10:40 Uhr