Stand: 29.05.2018 13:15 Uhr

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von Andreas Brauns

"Also, die Sklaverei ist doch längst abgeschafft. Aber warum wird dann heute noch von Sklaven geredet - von modernen Sklaven? Was soll dieses Gerede?"

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Bis zu fünf Millionen Menschen schuften in Pakistan als Leibeigene.

Es soll an etwas erinnern, was gern verdrängt wird: Wohl noch nie gab es weltweit so viele Sklaven wie heute. Obwohl die Sklaverei weltweit offiziell abgeschafft ist. Zuletzt im afrikanischen Mauretanien vor noch nicht einmal 40 Jahren. Trotzdem: Im Jahr 2016 gab es in 167 Ländern geschätzt mehr als 45 Millionen Männer, Frauen und Kinder, deren Rechte mit Füßen getreten wurden. 45 Millionen moderne Sklaven oder sklavenähnlich Beschäftigte, die nicht über ihren Körper verfügen können und nicht über ihre Arbeitskraft. Zwei Drittel davon leben im asiatisch-pazifischen Raum. Spitzenreiter ist Indien mit 18 Millionen, gefolgt von China und Pakistan.

Kinder schuften in Minen und auf Plantagen

Selbst wenn diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind, sie sind schon im Ansatz ein Skandal. Denn jedes Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit ist eins zu viel. Die Vereinten Nationen gehen von einer deutlich geringeren Zahl von Sklaven aus. Rechnen aber mit einer hohen Dunkelziffer. Erschütternd ist: Jeder zweite Sklave heute ist minderjährig. Viele arbeiten als Bergleute in Minen, schuften auf riesigen Plantagen oder werden als Kindersoldaten rekrutiert.

Sklaverei gibt es aber nicht nur in Brasilien, Haiti oder in Mauretanien, nein, auch in modernen Industrienationen. Da werden im Baugewerbe, in Haushalten und in der Landwirtschaft Menschen illegal ohne Rechte beschäftigt. Darüber hinaus werden Kinder und Frauen zur Prostitution gezwungen. Mit Menschen, die keine Papiere und damit keine Rechte haben, ist auch im 21. Jahrhundert viel Geld zu verdienen.

Sklavenhalter statt Sklavenbesitzer

Dabei hat schon im 13. Jahrhundert ein Rechtsbuch die Sklaverei verworfen. Im Sachsenspiegel aus dem Jahr 1235 heißt es: "Unfreiheit ist ein Unrecht, welches durch Gewohnheit für Recht gehalten wird." Sklaven gehörten einfach dazu, waren Eigentum ihrer Herren. Und für dieses Eigentum sahen sich manche auch in der Verantwortung. Sklavenbesitzer gibt es heute nicht mehr, dafür Sklavenhalter, die absolute Verfügungsgewalt haben über die modernen Sklavinnen und Sklaven. Dieses dunkle Kapitel der Menschheit ist leider bis heute nicht vorbei.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 02.06.2018 | 09:15 Uhr

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