Sendedatum: 20.09.2014 09:15 Uhr  | Archiv

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von Jan von Lingen

"Manche reden von Gottes Wegen, andere reden vom Schicksal. Sind Gott und Schicksal eigentlich dasselbe?“

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Skulptur "Das Schicksal" auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Bei einem Treffen vor einiger Zeit saß ich mit alten Freunden zusammen. In fröhlicher Runde tauschten wir Erinnerungen aus und redeten über "damals". Ein Platz aber blieb leer, denn einer aus unserem alten Freundeskreis lebt nicht mehr. Und die Frage stand im Raum: Warum ist das so, dass der eine heute feiern darf und der andere so früh sterben musste? Ist das "Schicksal?" Manchmal sagen wir auch über jemanden: Er oder sie habe ein schweres Schicksal zu tragen. Wer von Einsamkeit, Krankheit oder einem Schicksalsschlag gezeichnet ist, der macht vielleicht diese Erfahrung: "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" - so heißen ein Jugendbuch und ein daraus entstandener Kinofilm.

Dreht "Fortuna" am Glücksrad?

Seit Menschen denken können, versuchen sie das Auf und Ab in ihrem Leben zu deuten. Die Römer zum Beispiel verehrten und fürchteten die Glücks- und Schicksalsgöttin "Fortuna", sie warf das Los über die Menschen. Oft wird sie dargestellt mit einem großen Rad. Das Schicksalsrad dreht sich - und wir? Geraten wir unter die Räder? Oder ziehen wir das große Los? "Fortune" ist noch heute das französische Wort für "Glück". Auch in den Namen von einigen Sportvereinen tauchte die Schicksalsgöttin "Fortuna" wieder auf.

Glaube, Liebe, Hoffnung

Interessanterweise findet sich in der Lutherübersetzung der Bibel das Wort "Schicksal" nur ein einziges Mal, in einem Nebensatz, eher zufällig. Das hat seinen Grund: Natürlich erzählt auch die Bibel von Glück und Unglück, von Freude und Leid. Aber dann spricht die Bibel weder von Schicksalsmächten noch von Zufällen, sondern immer von Gott. Gott segnet die guten Zeit - und lässt den Menschen in schweren Zeiten nicht allein. Das Leben muss nicht auseinanderbrechen. Der unheilvolle Riss, der sich durch unser Leben zieht, kann geschlossen werden. Dabei helfen weder die Glücksgöttin "Fortuna“ noch ein sich drehendes Schicksalsrad, sondern Glaube, Hoffnung und Liebe.

Ich finde, ein Zitat aus einem Gesangbuchlied (EG 533) von Arno Pötzsch bringt das sehr gut auf den Punkt: "Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt. Es münden alle Pfade, durch Schicksal, Schuld und Tod, doch ein in Gottes Gnade, trotz aller unser Not."

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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