Stand: 30.08.2017 11:00 Uhr  | Archiv

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von Andreas Brauns

"In Osnabrück und Münster findet doch in einigen Tagen ein großes Friedenstreffen statt, mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Religionen. Vorbereitet werden die Tage von der Gruppe Sant'Egidio. Wer ist das?"

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Sant'Egidio engagiert sich für Arme, alte einsame Menschen, Obdachlose und benachteiligte Kinder.

Die Gemeinschaft Sant'Egidio ist eine Laienorganisation in der katholischen Kirche. Gegründet wurde sie 1968 von einer Gruppe römischer Gymnasiasten. Der Name des Vereins geht auf ein ehemaliges römisches Kloster im Stadtteil Trastevere zurück. Seit fast 50 Jahren sieht sich die Gemeinschaft dem Dialog verplichtet, so Generalsekretär Cesare Zucconi: "Wir haben keine Alternative zum Dialog. Der Dialog ist ein Weg zum anderen."

Auf der Seite der Armen

Obwohl es keine formelle Mitgliedschaft gibt, zählt der Verein heute 60.000 Frauen und Männer. Aktiv sind sie in Rom, in Italien und 70 weiteren Ländern - auch in Deutschland. Sant'Egidio, das ist zunächst das gemeinsame Gebet, die Auseinandersetzung mit der Bibel, das Leben des Evangeliums im Alltag und die Freundschaft mit den Armen. Seit vielen Jahren betreibt der Verein in Rom und an einigen anderen Orten Friedensschulen, in denen benachteiligte Kinder unterrichtet werden, damit sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen können. Außerdem gibt es Suppenküchen für Obdachlose und Bedürftige.

Vorreiter der Ökumene

Neben dieser sozialen Arbeit engagiert sich die Gemeinschaft hartnäckig für die Ökumene, den Dialog zwischen den Weltreligionen, den Frieden und die Menschenrechte. So sitzen Vertreterinnen und Vertreter von Sant'Egidio auch immer wieder mit am Tisch, wenn es in einzelnen Ländern darum geht, zwischen verfeindeten Gruppen zu vermitteln. Und nach einem Dialog zu suchen, der Frieden möglich macht. Als Papst Johannes Paul II. 1986 erstmals Vertreter anderer Religionen zu einem Weltgebetstreffen eingeladen hat, war auch Sant'Egidio dabei. Das Treffen in Assisi wäre ohne das Engagement des Vereins kaum möglich gewesen. Cesare Zucconi erinnert sich. "Es war nahezu undenkbar, dass ein Rabbiner und ein Imam auf der selben Bühne auftreten."

Sant'Egidio ist und bleibt hartnäckig und lädt seitdem Jahr für Jahr zu einem großen Friedenstreffen ein. Diesmal vom 9. bis zum 12. September nach Münster und Osnabrück unter dem Motto "Wege des Friedens".

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 02.09.2017 | 09:15 Uhr