Archiv

O / P / Q

von Andreas Brauns

"Ich kann mir nicht helfen: die katholische Kirche wirkt auf mich wie eine Art Priesterkirche. Denn bei den Katholiken haben doch nur die was zu sagen, die geweiht sind. Täusche ich mich oder ist das tatsächlich so?"

Die Amtsträger sprechen im Namen der Kirche.

Ihr Eindruck täuscht nicht. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Kirche, das sind bei den Katholiken immer noch in erster Linie die Amtsträger, also Diakone, Priester, Bischöfe, Kardinäle, allen voran der Papst. Sie leiten Gottesdienste und sprechen im Namen der Kirche. Und, wenn Sie so wollen, im Namen Jesu.

Aber Kirche, das sind mehr als nur diese Amtsträger. Kirche, das ist das Volk Gottes. Vor knapp 50 Jahren wurde das festgeschrieben - auf dem 2. Vatikanischen Konzil. Und das heißt: Alle, die getauft und damit in die Welt geschickt sind, gehören dazu, sind gemeinsam unterwegs. Alle Glaubenden - Amtsträger und Nichtamtsträger, eben die Laien.

Die Amtsträger leiten die Kirche, sie sind verantwortlich für die Einheit und für die Auslegung der Tradition und der Lehre. Und dann ist es nur logisch, dass eine Journalistin sie fragt, wenn sie wissen will, was die katholische Kirche zu einem Thema denkt. Denn die, die leiten, haben auch was zu sagen, von Amts wegen.

Veränderungen durch das 2. Vatikanische Konzil

Jahrhundertelang hatten sie auch allein das Sagen. Das ist seit knapp 50 Jahren etwas anders, denn beim 2. Vatikanischen Konzil wurde festgehalten: "Entsprechend dem Wissen und der Stellung, die sie einnehmen, haben Laien die Möglichkeit, ja bisweilen die Pflicht, ihre Meinung zu erklären zu dem, was das Wohl der Kirche angeht." Und weiter heißt es: "die Hirten… sollen gern deren klugen Rat nutzen…und ihnen Freiheit und Raum zum Handeln lassen." (Lumen Gentium 37)

Und so gibt seit Jahrzehnten "Räte" in der katholischen Kirche. Das ist eine Art Beraterkreis, in dem Frauen und Männer mit dem für die Seelsorge verantwortlichen Bischof gemeinsam überlegen. Oder mit dem verantwortlichen Priester beraten, wie es mit ihrer Gemeinde weitergehen soll. Der verantwortliche Priester ist zwar der Vorsitzende dieser Räte in der Gemeinde, doch er entscheidet nicht allein. Und er trägt auch nicht für alles allein die Verantwortung.

Beraterinnen oder Sachverständige, erfahrene und lebenskluge Christinnen und Christen kennt die Kirche längst. Diese Frauen und Männer reden oft mit, doch das Sagen haben letztlich die geweihten Amtsträger. Oder sie machen zumindest deutlich: Ich als Bischof denke in diesem Punkt anders als meine Beraterinnen und Berater. Eine Notiz, die es früher in der katholischen Kirche nie gegeben hätte.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.