Der Evangelische Militärbischof Sigurd Rink  und Militärgeneraldekan Matthias Heimer leiten eine Andacht für Soldaten der Bundeswehr. © Picture Alliance / dpa-Zentralbild Foto: Hendrik Schmidt

Das Kirchenlexikon: Militärseelsorge

Stand: 09.07.2021 09:57 Uhr

Ab dem 4. Jahrhundert sind Priester immer mit dabei, wenn christliche Herrscher ins Feld ziehen. Und auch heute stehen Geistliche den Soldatinnen und Soldaten bei.

von Pastor Oliver Vorwald

"Warum gibt es in der Bundeswehr Militärseelsorger? Die Bibel sagt doch: 'Du sollst nicht töten'."

Manche der Jünger tragen Schwerter unter ihren Gewändern, bereit zum Aufstand. Aber ihm bleiben Waffen fremd (Mt 26,52): Keine Gewalt, betet für eure Feinde, predigt Jesus in der sogenannten Feldrede (vgl. Mt 5,44; Lk 6,27f.). Dennoch kümmert er sich auch um die Sorgen der Soldaten. Die Bibel erzählt, wie ein römischer Zenturio zu ihm kommt (Mt 8,5-13; Lk 7,1-10). Jesus hört ihm zu und hilft. Seelsorge kennt eben keine Grenzen.

"'Auge um Auge, Zahn um Zahn.' Ich aber sage euch: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar." (Mt 5,38-39 i.A.)

Beistand für Soldaten im Einsatz

Soldaten stehen auf einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr. © NDR Foto: Andreas Rabe
Seelsorge ist auch für Soldatinnen und Soldaten wichtig.

Die ersten Christen eifern ihrem Vorbild nach, verweigern sich dem Militär. Doch diese radikale Ablehnung ändert sich mit der Zeit. Und ab dem 4. Jahrhundert sind Priester immer mit dabei, wenn die christlichen Herrscher ins Feld ziehen. Diese Feldprediger sollen mit den Soldaten beten, Sterbende trösten. Als sich die Kaiser und Könige stehende Heere leisten, entstehen ständige Militärvikariate – evangelisch und katholisch.

In Deutschland prägen besonders die Preußen diese Entwicklung. Sie richten ein Amt ein, ordinieren Feldpröpste, bauen Garnisonkirchen. Die Schattenseite dieser Geschichte: Waffen werden gesegnet, Gegner verteufelt. Das widerspricht dem Geist der Bibel, den Ideen Jesu.

Erster Militärrabbiner in der Bundeswehr eingeführt

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erhält das deutsche Heer dann auch Feldrabbiner für die jüdischen Soldaten. In der Weimarer Republik wird das Militärrabbinat allerdings wieder abgeschafft. Jetzt, nach 100 Jahren, wird es für die Bundeswehr neu eingerichtet. Am 21. Juni 2021 ist Rabbi Zsolt Balla als Bundeswehr-Rabbiner eingeführt worden. Er soll zukünftig die Arbeit von bis zu zehn jüdischen Geistlichen koordinieren.

Die Zeiten, dass Geistliche Waffen segnen, sind in Deutschland vorbei. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Bundeswehr geben Ethik-Unterricht, helfen bei Familienfragen und Glaubenszweifeln. Rund 200 evangelische und katholische Pfarrer sind heute als Seelsorger für die deutschen Streitkräfte im Dienst. Hinzu kommen nun die Bundeswehr-Rabbiner. Auch für die muslimischen Soldatinnen und Soldaten sollen bald eigene Imame berufen werden. Denn auch Soldatinnen und Soldaten brauchen Seelsorge.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 10.07.2021 | 09:15 Uhr

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