Stand: 07.05.2019 14:00 Uhr

Tägliches Glockenläuten lädt zum Gebet ein

von Michel Zschörnig

"Mir ist aufgefallen, dass viele Kirchen morgens, mittags und abends die Glocken läuten. Warum ist das so?"

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Das Läuten der Kirchenglocken weist auf Gebetszeiten hin.

Handywecker und Kirchenglocken haben etwas gemeinsam: Sie machen auf etwas aufmerksam und helfen, es nicht zu vergessen. Der Wecker bewahrt davor, zu verschlafen oder einen Termin zu verpassen. Glocken sollen Menschen an ihr geistliches Leben erinnern. Das Läuten am Morgen, Mittag und Abend weist auf verschiedene Gebetszeiten hin. Alles klar geregelt in der sogenannten Läuteordnung der Evangelischen Kirche.

Glockenläuten hat Ursprung in Klöstern

Seinen Ursprung hat dieses Läuten in den Klöstern des Mittelalters im 7. Jahrhundert. Dort ist der Tag in feste Gebetszeiten, sogenannte Stundengebete, eingeteilt. Damit die Ordensleute kein Gebet verpassen, werden die Glocken geläutet. Dieses Gebetsläuten verbreitet sich auch in der Kirche. Morgens erklingen die Glocken, um der Auferstehung Jesu zu gedenken, Mittags, um an die Kreuzigung Christi zu erinnern. Das Abendläuten wiederum gilt der Geburt Jesu, der Menschwerdung Gottes.

Angelusgeläut erklingt in katholischen Kirchen

In katholischen Kirchen heißt das Läuten zu unterschiedlichen Tageszeiten Angelusgeläut, weil bei ihm das sogenannte Angelusgebet gesprochen wird. Bei diesem wird Maria als Fürsprecherin angerufen. In der Reformationszeit wird das Gebet abgeschafft. Die Glocken sollen aber weiterhin schlagen. Als Einladung zum Gebet für den Frieden, so sieht es eine Verordnung von 1540 vor: "Es soll forthin früh und des abends, wie auch bisher geschehen, pro pace geläutet werden, auf dass das volk erinnert werde, um einen gemeinen frieden zu bitten."

Einladung das Vaterunser zu beten

Bis heute läuten auch viele evangelische Kirchen die Glocken dreimal am Tag. Am Morgen, Mittag und Abend laden sie ein, das Vaterunser oder ein anderes Gebet zu sprechen. Das Gebetsläuten wird deshalb auch als Vaterunserläuten bezeichnet. Auch von vielen katholischen Kirchtürmen erklingen die Glocken dreimal am Tag. Ob das Morgengeläut nun um 7 oder um 8 Uhr beginnt, das Abendläuten um 16 oder 18 Uhr - das hängt von der lokalen Tradition ab.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 04.05.2019 | 09:15 Uhr

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