Ein Kreuz liegt auf einer zusammen gefalteten Soutane. © Colourbox

Das Kirchenlexikon: Katholische Kirche retten

Stand: 24.06.2021 12:45 Uhr

Die katholische Kirche steckt seit vielen Jahren in einem riesigen Reformstau. Wäre es nicht sinnvoller, sich für eine Kirche einzusetzen, die nah bei den Menschen ist?

von Andreas Brauns

Nah bei den Menschen möchte die katholische Kirche im Prinzip sein, das ist auch ihr Auftrag, allerdings steht sie sich oft genug selbst im Weg, weil sie Menschen vor den Kopf stößt, ausschließt. Weil sie nicht nach der katholischen Tradition leben, oder aber nicht einverstanden sind mit so manchem Lehrsatz. Als Frauen, noch dazu als Ordensfrauen, gleichberechtigt in der Kirche mitarbeiten wollen.

Für viele hat eine Kirche längst ausgedient, die vor allem dadurch auffällt, sich selbst und ihre Lehrsätze im Blick zu haben. Sie wird bedeutungslos und dient zu nichts, weil sie nicht die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten in die Mitte stellt. Aber genau das hat der Mann aus Nazareth getan. Zwar behauptet die katholische Kirche, ihm zu folgen, doch es sind Fragen erlaubt.

Kirchliches Lehramt legt Regeln fest

Ein Beispiel: Jesus hat Menschen dazu eingeladen, mit ihm zu essen. Das hat ihm Kritik der Frommen eingebracht, denn er hat sich vorher nicht erkundigt, ob sie würdig sind, mit ihm an einem Tisch zu sitzen. Auch die Kirche lädt zum Mahl ein, doch daran teilnehmen darf nicht jede Person. Es gibt Regeln, festgelegt vom kirchlichen Lehramt. Vermutlich auch, um Macht zu demonstrieren. Wie es gerade die Bischöfe in den USA tun, die dem Präsidenten ihres Landes die Kommunion verweigern wollen, weil er sich in der Frage der Abtreibung für eine liberale Lösung einsetzt. Eine, die die Not sieht und nicht nur die reine Lehre. Der Mann aus Nazareth hat Menschen nicht verurteilt, er hat sie geliebt - bis in den Tod.

Es kommt auf die Botschaft der Kirche an

Wo diese Liebe heute sichtbar wird, da entfaltet sich so etwas wie die Kraft Jesu. Sie ist spürbar, wenn Getaufte sich berühren lassen von der Sorge und der Not, vom Leid vieler Menschen, die keine Lobby haben. Wenn Getaufte eintreten für die Randfiguren der Geschichte. Und sich mit anderen zusammentut, um zu helfen. Auf dem Mittelmeer ebenso wie in sozialen Brennpunkten. Es geht um mehr als Lehrsätze und eine reine Kirche. Es geht darum, im Geist Jesu zu handeln und Gewohntes aufzubrechen - mit allen Konsequenzen. Das rettet vielleicht nicht die Kirche, aber es bezeugt die Botschaft. Und auf die kommt es an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 26.06.2021 | 09:15 Uhr

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