Stand: 18.09.2020 10:27 Uhr

Für mehr Menschenfreundlichkeit

von Andreas Brauns

"In Bayern soll ein Gericht einer Ordensfrau mit Gefängnis gedroht haben, weil sie Geflüchteten Asyl gewährt hat. Wie kann das sein?"

Kloster Wienhausen in Niedersachsen. © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Kirchen und Kloster sind seit Langem Zufluchtsorte.

Das ist so, weil das sogenannte Kirchenasyl zwischen Kirche und Staat mehr und mehr umstritten ist. Schon seit der Antike suchen Flüchtlinge Schutz in Klöstern oder Kirchen. Sie wissen: Dort bin ich sicher. Heute ist das vom Gesetz her nicht mehr so.

Ordensfrau beruft sich auf ihr Gewissen

Aber die Benediktinerin Mechthild Thürmer, die in Franken ein Frauenkloster leitet, sieht sich geflüchteten Menschen verpflichtet. Darum hat sie mit ihrer Gemeinschaft immer wieder Frauen Asyl gewährt. Derzeit einer Kurdin, vorher einer Frau aus Eritrea. Dafür wurde die Ordensfrau zu einer Geldstrafe verurteilt. Doch sie hat sich geweigert zu bezahlen. Daraufhin drohte ihr das Amtsgericht Bamberg eine empfindliche Freiheitsstrafe an.

Die Ordensfrau beruft sich auf ihr Gewissen. Sie kann sich keinesfalls vorstellen, Menschen wegzuschicken, die Schutz im Kloster suchen. In einem Land, in dem die Polizei Geflüchtete in der Nacht aus ihren Betten holt, um sie abzuschieben, möchte sie mit ihrer Gemeinschaft ein menschenfreundliches Gesicht zeigen.

Respekt vor Kirchenasyl zeigen

Doch das Kirchenasyl bringt Abschiebungspläne durcheinander. Dabei genießen Kirchengebäude rechtlich keine Ausnahmestellung. Das heißt: Polzei und Staatsanwaltschaft haben uneingeschränkten Zugriff auf Personen, die sich dort aufhalten. Derzeit sind das in Deutschland insgesamt mehr als 500. Ob und wie die Behören handeln, ist allerdings Ermessenssache…

Ziel des Kirchenasyls ist meist ein Asylverfahren in Deutschland, was allerdings immer weniger Menschen bekommen, die in einem Kirchenasyl Zuflucht gesucht haben. Oft werden sie in ein anderes Land Europas abgeschoben, weil sie dort erstmals auf europäischem Boden registriert wurden. Mit dieser Praxis sind nicht alle einverstanden, zumal so Familien getrennt werden können.

Die Ordensfrau in Franken möchte durch ihr Verhalten nun den Staat zwingen, wieder mehr Respekt vor dem Kirchenasyl zu zeigen. Sie will sich nicht beugen, weil von ihrem Durchhalten das Wohl und Wehe eines Menschen abhängt. Lieber geht sie ins Gefängis, bevor sie eine geflüchtetet Frau wegschickt, die nach ihrer Abschiebung ein ungewisses Schicksal erwarten würde.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 19.09.2020 | 09:15 Uhr

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