Stand: 25.09.2018 10:00 Uhr

Das Kirchenlexikon - Hans Scholl

von Oliver Vorwald

"Hans Scholl, Mitglied der Weißen Rose, wurde heute vor 100 Jahren geboren. Ich habe gehört, dass er seinen Widerstand gegen Hitler mit dem Glauben begründet hat. Wissen Sie mehr?"

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Hans Scholl war die treibende Kraft der Widerstandsgruppe "Die Weiße Rose".

Der Ostbahnhof in München. Hier entstehen im Sommer 1942 die wohl bekanntesten Aufnahmen von Sophie und Hans Scholl. Sie mit schulterlangem Haar, grober Strickjacke. Er in Uniform und fragenden Augen. Für den Medizinstudenten Hans Scholl - geboren am 22. September 1918 - geht es nach Russland, Sanitätsdienst in den Semesterferien. Als die Kamera den jungen Mann ablichtet, gehört der bereits zum Widerstand gegen Hitler. Für ihn eine Christenpflicht, so hat er es kurz zuvor in das vierte Flugblatt der Weißen Rose hineingeschrieben.

"Gibt es, so frage ich Dich, der Du ein Christ bist, … ein Hinausschieben der Entscheidung …? Wir müssen das Böse dort angreifen, wo es am mächtigsten ist, und es ist am mächtigsten in der Macht Hitlers (Flugblatt der Weißen Rose)."

Hans Scholl wendet sich vom NS-Regime ab

Bis Hans Scholl solche Sätze schreibt, dauert es einige Zeit. Zunächst brennt er für den Nationalsozialismus, meldet sich schon 1933 zum Jungvolk, Schwester Sophie folgt ihm kurz darauf (1934). Die Eltern haben dafür kein Verständnis. Vater Robert nennt Adolf Hitler eine "Geißel Gottes". Es ist eine protestantisch-liberale Familie, in der Hans Scholl mit vier Geschwistern aufwächst. Werte wie Freiheit, Verantwortung, Nächstenliebe prägen ihre Kindheit in Forchtenberg, Ludwigsburg und Ulm. Im Lauf der 1930er-Jahre erleben Sophie und Hans Scholl immer stärker, dass sich ihre Ideale nicht mit den Absichten des NS-Regimes zusammenbringen lassen. Es kommt zum Bruch.

Geschwister Scholl finden Halt im Glauben

Halt und Inspiration finden die Geschwister in der Literatur. Sie lesen christliche Mystiker, Religionsphilosophen. Dieser Glaube trägt Hans Scholl, treibt ihn an - auch im Frühjahr 1943. Da werden er und Sophie verhaftet, als sie heimlich Flugblätter der Weißen Rose an der Münchener Universität auslegen wollen. Es folgen Verhöre, der Prozess vor dem sogenannten Volksgerichtshof, ihr Todesurteil. Bruder und Schwester zeigen Haltung. Das beeindruckt sogar einen der Gestapo-Männer, Obersturmführer Robert Mohr:

"Ich kann nur wiederholen, dass dieses Mädel, wie auch ihr Bruder, eine Haltung bewahrt hat, die sich nur erklären lässt mit Charakterstärke ... und einer selten tiefen Gläubigkeit (spätere Notizen von Robert Mohr)."

Vor der Hinrichtung bittet Hans Scholl um das Abendmahl, lässt sich aus der Bibel vorlesen, Korintherbrief: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe." Sophie und Hans Scholl sterben am 22. Februar 1943 durch das Fallbeil.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 22.09.2018 | 09:15 Uhr

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