Stand: 07.06.2018 14:15 Uhr

Das Kirchenlexikon - Einzug in die Kirche

von Oliver Vorwald

"Wie kommt die Braut zum Altar? An der Hand des Vaters oder gemeinsam mit dem Bräutigam? Was ist richtig?"

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Hollywood hätte die Traumhochzeit in Windsor nicht besser inszenieren können.

Die dunkle Uniform steht ihm blendend. Dennoch wirkt Prinz Harry nervös. Er steht vor dem Altar, wartet. Dann weht Jubel in die Saint-Georges-Kapelle, Glocken läuten, Fanfaren singen. Als die Streicher spielen, zieht Meghan Markle in die Kirche ein. Schlichtes weißes Kleid, Schleppe. Auf halber Strecke tritt Prinz Charles an ihre Seite, er führt die Braut - stellvertretend für deren Vater - zum Bräutigam.

Brauch kommt auch nach Deutschland

Traumhochzeit auf Schloss Windsor mit Gästen aus Adel, Politik und Film. Auch Hollywood hätte die Trauung von Prinz Harry und Meghan Markle kaum besser inszenieren können. Wen wundert’s? Im amerikanischen und englischen Kino gehört der Einzug von Vater und Tochter dazu. Wohl deshalb wird dieser Brauch auch in Deutschland immer beliebter. Dabei ist er in evangelischen Gottesdiensten viele Jahre verpönt gewesen. Das liegt an seinen Ursprüngen in germanischer Zeit. Damals legt der Brautvater die Hände seiner Tochter in die ihres künftigen Ehemanns.

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Braut und Bräutigam sind gleichberechtigt

Das hat nichts mit Romantik zu tun, es ist ein symbolischer Akt, der Besitzrechte anzeigt. Die Frau wechselt aus einem Herrschaftsbereich in den anderen, wie ein Gegenstand. Die Evangelische Kirche hingegen versteht die Eheleute als gleichberechtigt. Deshalb schlägt die Trauzeremonie den Einzug des Brautpaares in die Kirche vor. Es bedeutet, gemeinsam durchs Leben zu gehen - als Partner mit Gottes Segen.

Der Moment zählt

Ob Prinz Charles germanisches Stammesdenken im Kopf hat, als er die Braut zu ihrem Bräutigam geleitet? Wohl kaum. Schließlich kennt der sich aus mit emanzipierten Frauen. Außerdem wirkt er sichtlich gerührt. Prinz Harry und Meghan Markle geht es genauso. Und darauf kommt es doch an, oder? Die Brautleute müssen sich mit der Zeremonie wohl fühlen. Schließlich soll die Trauung ihnen gut tun, sie erfüllen, ein Moment sein, der sie verbindend - in guten und in schweren Zeiten.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 09.06.2018 | 09:15 Uhr