Stand: 11.04.2018 12:00 Uhr

Das Kirchenlexikon - Ein Herz und eine Seele

von Michel Zschörnig

"'Ein Herz und eine Seele.' Eine meiner Lieblingsserien im Fernsehen. Ich habe nun gehört, dass der Titel aus der Bibel stammen soll. Stimmt das?"

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Hauptfigur in "Ein Herz und eine Seele war "Ekel" Alfred, ein reaktionärer Spießer.

Deutschland 1973. Familien sitzen in Wohnzimmern mit Mustertapete. Auf dem Fernseher flimmert: "Ein Herz und eine Seele". In der Serie geht es um Familie Tetzlaff. So einträchtig - wie es der Titel verspricht - geht es zwischen Mutter Else, Vater Alfred und Tochter Rita mit Schwiegersohn Michael allerdings nicht zu. Kriegs- und Nachkriegsgeneration unter einem Dach. Da prallen bürgerlich-konservative Vorstellungen auf Ideale der 68-Bewegung.

Erste christliche Gemeinde teilt alles

Ganz anders das Zusammenleben in der ersten christliche Gemeinde in Jerusalem vor rund 2.000 Jahren. Deren Angehörige sind tatsächlich "Ein Herz und eine Seele" - so erzählt es die Apostelgeschichte im vierten Kapitel. Die Mitglieder der Urgemeinde teilen nicht nur ihren Glauben miteinander. Sie praktizieren auch eine Gütergemeinschaft. Jeder stellt sein Eigentum zur Verfügung. Alles wird geteilt. Freiwillig. Notleidende soll es in diesem System nicht geben. Einige verkaufen sogar ihre Häuser und schenken den Erlös der Gemeinschaft. Das Geld wird dann eingesetzt, wo es gebraucht wird. Das erinnert an Kommunismus.

Mit ihrer Lebensform wollen die ersten Christen allerdings keine Politik machen, sondern ein Glaubenszeugnis ablegen: Herz und Seele hängen bei ihnen an Gott. Sie fühlen sich der Nächstenliebe verpflichtet. Schließlich hat Jesus ja gesagt: einer trage des anderen Last. Von dieser Harmonie ist bei den Tetzlaffs im Fernsehen wiederum nichts zu spüren.

Gütergemeinschaft ist ein hohes Ideal

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In der Kultserie "Ein Herz und eine Seele" geht es meist nicht einträchtig zu.

Dass alles allen gemeinsam gehören soll, ist eben ein hohes Ideal. So ist es in der TV-Serie "Ein Herz und eine Seele" und genauso in der Bibel. Die Gütergemeinschaft sorgt auch dort für Konflikte. Aber der Grundgedanke in der Urgemeinde gehört nach wie vor zur Kirche. Einer trage des anderen Last. Wer Hilfe braucht, soll Hilfe bekommen. Bis heute engagieren sich zahlreiche Gemeinden dafür. Sie kümmern sich um sozial benachteiligte Menschen. Kirchliche Einrichtungen wie das Diakonische Werk oder die Hilfsorganisation "Brot für die Welt" haben sich dieses Anliegen sogar zur Hauptaufgabe gemacht.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 14.04.2018 | 09:15 Uhr