Stand: 08.11.2018 11:55 Uhr

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von Oliver Vorwald

"12. November. Da ist 'Weltweiter Gebetstag für verfolgte Christen', lese ich in der Zeitung. Warum? Ich dachte, das hätte es nur im alten Rom gegeben? "

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In Ägypten diskriminiert das islamische Regime die christliche Minderheit (Kopten),

Kairo, Metropole am Nil mit herrlichen Moscheen. Die Millionenstadt ist aber auch Zentrum der koptischen Christenheit. Am 3. Advent 2016 gehen viele zur Sonntagsmesse. Auch die St. Peter- und Paul-Kirche ist gut besucht, als gegen 10 Uhr ein IS-Terrorist seinen Sprengstoffgürtel zündet. Fenster bersten, Bänke zerreißen, fast 30 Menschen sterben. 2017 folgen weitere Anschläge auf Christen in Ägypten. Sie fordern noch mehr Tote.

Jesus, Allah, Buddha. Weltweit werden Menschen für ihren Glauben vertrieben, misshandelt, getötet. Die größte Gruppe unter ihnen: Christen. Nach Angaben des evangelikalen Hilfswerks "Open Doors" sind mehr als 200 Millionen an Leib und Leben bedroht. Die Taufe oder Kritik am Propheten Mohammed können im Iran, in Somalia oder in Pakistan den Tod bedeuten.

Verbrechen in Namen von Kirchen

Es stimmt. Was in diesen Ländern passiert, klingt nach Antike. Damals finden im Römischen Reich die schlimmsten Christenverfolgungen statt - mit Löwengrube und Kreuzigung. Der Glauben an nur einen Gott, Jesus Christus, stört die Cäsaren. Denn sie kennen eine Vielzahl an Gottheiten, lassen sich selbst als göttlich verehren. Als aber im 4. Jahrhundert ein römischer Kaiser selber Christ wird, enden die Verfolgungen. Fortan kann sich das Christentum ausbreiten, gelangt weltweit zur Blüte. Zur Geschichte gehört aber auch, dass die Kirchen später selbst zu Verfolgern werden, schlimmstes Unrecht begehen, sogar im Namen Gottes zum Krieg aufrufen. Eine Ausnahme bilden die altorientalischen Kirchen, wie die koptischen Christen. Sie sind nie zu Verfolgern geworden, obwohl sie bis heute verfolgt werden.

Gedenken an christliche Minderheiten

Der Termin für den "Weltweiten Gebetstag für verfolgte Christen" ist der zweite Sonntag im November. In Deutschland beteiligen sich daran mehrere tausend Gemeinden; evangelisch, katholisch, vor allem viele Freikirchen. Sie beten für die Christen im Iran, in Somalia oder Pakistan. In einigen Gottesdiensten wird dann auch an die Flüchtlinge anderer Glaubensgemeinschaften gedacht. Die Jesiden im Irak, die Buddhisten aus Tibet, die muslimische Minderheit der Rohingya in Myanmar. Denn Religionen wollen vor allem eins: Frieden.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 11.11.2017 | 09:15 Uhr