Der Dom in Köln spiegelt sich in einem Fenster. © dpa Foto: Oliver Berg

Papst entsendet bischöfliche Kontrolleure nach Köln

Stand: 02.06.2021 14:12 Uhr

Wegen der zögerlichen Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, entsendet Papst Franziskus "Apostolische Visitatoren" ins Erzbistum Köln. Sie sollen "eventuelle Fehler" von Kardinal Woelki überprüfen.

von Andreas Brauns

Für manche kommt die päpstliche Kontrolle der Kölner Verhältnisse tatsächlich zu spät. Sie haben sich von der Kirche abgewandt. Aber immerhin schickt Papst Franziskus überhaupt einen Kardinal und einen Bischof zur sogenannten Apostolischen Visitation nach Köln, um die Verhältnisse dort näher zu untersuchen. Der Papst will offenbar wissen, was am Rhein wirklich los ist. Dazu hat er das Recht. Leitet er doch die katholische Kirche.

Im Erzbistum Köln rumort es schon lange. Viele sind unzufrieden damit, wie es weitergeht nach dem im März veröffentlichten Missbrauchsgutachten. Zwei Weihbischöfe und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße haben zwar ihren Rücktritt angeboten, doch bisher hat der Vatikan nichts entschieden.

Vertrauen zwischen Basis und Kirchenleitung ist beschädigt

Der Rotterdamer Bischof Hans van den Hende © Robin van Lonkhuijsen/anp/dpa Foto: Robin van Lonkhuijsen
Der Rotterdamer Bischof Hans van den Hende soll die Misstände im Erzbistum Köln mit untersuchen.

Im Erzbistum Köln wollen viele jetzt alles zum Thema Missbrauch transparent aufarbeiten. Andere bremsen. Aus Sorge um ihre Kirche haben vor kurzem 14 leitende Geistliche eine kritische E-Mail geschrieben - an ihren Chef, Kardinal Woelki. Kurz danach hat der Vatikan sich eingeschaltet und den Besuch von päpstlichen Kontrolleuren angekündigt. Die besuchen ein Erzbistum, in dem Frauen und Männern aus einer Gemeinde ihren Kardinal gebeten haben, am 9. Juni nicht zu einem Gottesdienst zu kommen, weil sie den nicht mit ihm feiern möchten. Das ist nur ein Zeichen dafür, wie beschädigt das Vertrauen ist zwischen der Basis und der Kirchenleitung, die während der Arbeit der Kontrolleure nichts eigenmächtig entscheiden darf.

Bischöfliche Kontrolleure berichten an den Papst

Päpstliche Kontrolleure, die nur ernannt und geschickt werden, wenn der Papst schwere Missstände vermutet, entscheiden selbst, wie sie bei ihrer Arbeit vorgehen wollen. Sie entscheiden auch, wen sie sprechen, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Es geht bei dem Besuch nicht allein um Fragen des Rechts, es geht auch um das Klima in der katholischen Kirche am Rhein. Angesichts der verfahrenen Situation setzen alle Seiten ihre Hoffnung auf den Besuch der Kontrolleure. Sie werden dem Papst nach ihrer Abreise aus Köln berichten von dem, was sie gehört und gesehen haben. Ob und wie der Papst dann handelt, bleibt allein ihm überlassen. 

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NDR 1 Niedersachsen | 05.06.2021 | 09:15 Uhr

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