Sendedatum: 28.09.2019 09:20 Uhr

"Amazonas-Synode" will neue Wege beschreiten

von Andreas Brauns

"Bekannte haben mir vor Kurzem davon erzählt, dass in Kürze eine sogenannte Amazonas-Synode stattfinden soll, von der sich manche in der katholischen Kirche in Deutschland neue Anregungen versprechen. Ist das nicht unrealistisch?"

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Im Vatikan findet im Oktober die sogenannte Amzonas-Synode statt.

Es ist nicht unbedingt unrealistisch, denn jede Synode, also jede große Versammlung, findet ja innerhalb der katholischen Weltkirche statt. Und wenn sich jetzt die Bischöfe Amazoniens mit Indigenen und Fachleuten vom 6. bis zum 27. Oktober im Vatikan treffen, dann stehen Fragen im Mittelpunkt, die nicht nur Südamerika betreffen: So geht es um neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie.

Kirche sucht zu Wege zu indigenen Völker

Die Kirche in Amazonien, unter anderem in Brasilien, Peru, Venezuela, Bolivien und Kolumbien, ist herausgefordert, sich laut zu Wort zu melden, denn der Lebensraum vieler indigener Völker ist bedroht - auch durch wirtschaftliche Interessen: Die Menschen werden vertrieben aus der "grünen Lunge" der Erde, weil große Konzerne Bodenschätze abbauen wollen. Das Wasser wird verschmutzt, die Wälder werden abgeholzt. Und das nicht nur in Brasilien, wo der Präsident im Sinne der Konzerne handelt. Die Kirche ist herausgefordert, sich solidarisch zu zeigen, sich auf die Seite der Menschen zu stellen, die im Einklang leben mit der Schöpfung, jedoch keine Lobby haben.

Die Kirche sucht auch nach neuen Wegen, morgen noch präsent zu sein in den Lebensräumen der Stämme und Völker. In einer Region, in der es kaum Priester gibt, muss dringend über neue Formen der Seelsorge diskutiert werden, damit die Menschen erreicht werden. Da sind durchaus ganz neue Formen denkbar: Etwa verheiratete Männer, die auf Vorschlag von Gemeinden geweiht werden. Auch über die Rolle der Frauen wird im Vatikan beraten.

Amazonas-Synode als Vorbild für andere?

Alles das geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern vor dem Hintergrund der Reformdebatten von Christinnen und Christen, die sich ihre Kirche anders wünschen. Ein Kardinal aus Brasilien bringt es so auf den Punkt: "Wir brauchen dringend Neues, ohne Angst und Widerstand." Es ist Platz für die Verschiedenheit in der Einheit der Kirche. Das bedeutet, dieses Neue kann in einem Land durchaus anders aussehen als in den anderen Ländern. Nicht wenige hoffen, wenn die Kirche Amazoniens neue Wege beschreitet, dann können auch andere Regionen nach ihren Wegen suchen. Darum wird die "Amazonas-Synode" mit Spannung erwartet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 28.09.2019 | 09:20 Uhr

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