Stand: 03.09.2020 12:00 Uhr

"Den Kampf gegen den Krebs verlieren"

von Julia Heyde de López
Chadwick Boseman kommt zur Verleihung der 91. Academy Awards, den Oscars 2019, über den Roten Teppich ins Dolby Theatre. © Jordan Strauss/Invision/AP/dpa Foto: Jordan Strauss
Der US-Schauspieler Chadwick Boseman erlag mit 43 Jahren einem Krebsleiden.

"Seinen Kampf gegen den Krebs hat er nun verloren." Wie oft lese ich diesen Satz in einem Nachruf, und jedes Mal bin ich nicht nur traurig, sondern auch ziemlich irritiert. Jüngstes Beispiel: der Tod von Hollywood-Schauspieler Chadwick Boseman, er starb mit nur 43 Jahren an Darmkrebs. Die Reaktionen in den Medien waren verständlicherweise bestürzt. Der Superheld Black Panther, der König von Wakanda, Vorbild und Hoffnungsträger. Ausgerechnet er, hatte nun "den Kampf verloren".

Fighter-Rhetorik hilft nicht bei der Heilung

Dieser Satz ist Teil einer Kriegsmetaphorik, die im Zusammenhang mit Krebs immer wieder am Start ist. Der "bösartige" Tumor muss "bekämpft" werden, ist er zu stark, bist du wohl zu schwach, als wäre das eine Frage der Willens- und Kampfeskraft. Diese Art und Weise, wie wir über Krebs sprechen, kann Patienten überfordern, nicht jedem hilft die Fighter-Rhetorik auf dem Weg der Heilung.

Chadwick Boseman nannte Gott "Creator"

Menschen, die an Krebs erkranken, müssen ganz schön stark sein. Aber in meiner Erfahrung ist ihr Leben dann trotzdem nicht nur Kampf. Sie lachen und weinen, sie lesen und lernen, sie arbeiten, treffen Freunde, sorgen sich um andere, machen Musik, gönnen sich Kuchen, drehen sogar Filme. In keinem einzigen Augenblick sind sie Verlierer. Sogar dann nicht, wenn sie sterben. Dann erst recht nicht.

Schauspieler Chadwick Boseman ist im christlichen Glauben aufgewachsen, er nannte Gott seinen "Creator", den Schöpfer. Und vielleicht ahnte er voller Zuversicht, dass dieser Tod auch für ihn nicht das Ende, sondern ein Anfang ist.

Steg am See im Sonnenuntergang. © Jenny Sturm/fotolia Foto: Jenny Sturm

AUDIO: Moment mal (2 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 05.09.2020 | 09:15 Uhr

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