Sendedatum: 24.11.2009 20:15 Uhr

"Rehabilitationspotenzial des Gehirns besteht lebenslang"

Gast5: Bei mir gibt es keinerlei Koordination zwischen Ärzten und Therapeuten. Ist es möglich, mit Ihrer Hilfe eine Therapie-Koordination - zum Beispiel mit einem Schlaganfall-Zentrum wie der Klinik in Neustadt in Holstein - anzuregen?

Prof. Gerloff: Da wir mit dem Programm gerade erst gestartet haben, können wir Ihnen nur anbieten, sich einmal in unserer Schlaganfall-Nachsorgeambulanz vorzustellen. Tel. (040)  741 05 27 80

 

Unbekannter: Herr Langemeyer gibt es Ihrerseits Bestrebungen, Ihr Netzwerk auch über die Grenzen Hamburgs hinaus auszuweiten?

Jürgen Langemeyer: Ja, unser Ziel ist eine bundesweite Versorgung der Nachsorgepatienten.

 

Cathl: Wie kann man durch die momentane Lage der Regressangst bei Ärzten trotzdem eine angemessene Verschreibung von Rezepten erwirken?

Jürgen Langemeyer: Lassen Sie sich zum Neurologen überweisen und Verordnungen außerhalb des Regelfalls erstellen. Dann sollte es keine Probleme geben.

 

Unbekannter: Herr Langemeyer, können Sie sich vorstellen, mit ambulanten Pflegediensten zusammenzuarbeiten, als Teil Ihres therabest-Konzepts?

Jürgen Langemeyer: Ja.  

 

Uschi: Ich habe circa ein Jahr Physiotherapie gehabt. Mein Hausarzt möchte es mir nicht mehr verschreiben, mit dem Argument, dass ich austherapiert bin. Ich habe aber dennoch das Bedürfnis, mehr Physiotherapie zu bekommen. Was kann ich dem Arzt oder Kasse entgegnen?

Jürgen Langemeyer:  Nicht aufgeben. Übernehmen Sie die Verantwortung und kämpfen Sie! Wenn es nicht funktioniert, wechseln Sie den Arzt.
Prof. Gerloff: Austherapiert nach einem Jahr ist definitiv nur dann richtig, wenn wirklich keinerlei Ausfallserscheinungen mehr bestehen, also auch die Konzentration und die Stimmung normal sind, ganz zu schweigen von motorischen oder sensiblen Ausfällen. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass die Therapie auch Jahre nach einem Schlaganfall noch effektiv ist (Excite-Studie). Dies ist ein klares Argument für eine Weiterführung der Physiotherapie.

 

Gast_michi: Ich hatte 2006 eine TIA. Um einer weiteren vorzubeugen, muss ich Medikamente nehmen: 100 Milligramm ASS täglich. Ist das genug?

Prof. Gerloff: Heutzutage besteht die Therapie nach einer TIA oft in der Kombination von ASS (oder Alternativpräparaten), einem Statin (Cholesterinsenker) und einem Blutdruckmedikament, das in Studien gezeigt hat, dass es Schlaganfälle verhindern kann (sogenannte ACE-Hemmer oder AT1-Blocker).

 

MM47: Ich bin 47 Jahre alt und hatte Juni 2006 einen Thalamusinfarkt links. Geblieben sind nach Reha, Ergo, Physio (acht bis neun Monate) noch Sensibilitätsstörungen der rechten Körperhälfte, die zwar nicht "schlimm", aber doch sehr störend sind. Wo finde ich eine passende Therapie? 

Prof. Gerloff: Wenn es sich um Missempfindungen handelt (Kribbeln, Brennen, Schmerzen), kann man diese medikametös gut behandeln, zum Beispiel mit Gabapentin. Bei einfacher Taubheit ist eher Physiotherapie sinnvoll, um die Wahrnehmung zu schulen. Gute Besserung!

 

Gast15: Wie finde ich gute Ergo-und Physiotherapeuten? Die Krankenkasse konnte mir keine nennen.

Prof. Gerloff: Sie könnten sich zum Beispiel an das Ambulante Physiotherapiezentrum am UKE in Hamburg wenden oder sich einen Termin in unserer Schlaganfallnachsorgeambulanz geben lassen - Tel. (040)  741 05 27 80.

 

Lumex: Welche Mengen ASS sind nach dem jetzigen Kenntnisstand hilfreich?

Prof. Gerloff: Fast immer sind 100 Milligramm pro Tag ausreichend.

 

Uschi: Wo gibt es ein Verzeichnis für Selbsthilfegruppen?

Prof. Gerloff: Auf der Webseite der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe.

 

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Visite | 24.11.2009 | 20:15 Uhr

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