Sendedatum: 02.02.2010 20:15 Uhr  | Archiv

"Nicht jeder Patient bemerkt das Vorhofflimmern"

Prof. Dr. med. Matthias P. Heintzen, Kardiologe und Chefarzt am Städtischen Klinikum Braunschweig © Prof. Dr. med. Matthias P. Heintzen
Prof. Dr. med. Matthias P. Heintzen, Kardiologe und Chefarzt am Städtischen Klinikum Braunschweig.

Ist Vorhofflimmern vom Patienten selbst bemerkbar? Nach der Sendung am 2. Februar hat Prof. Matthias Heintzen im Chat diese und weitere Fragen rund um das Thema Herzrhythmusstörungen beantwortet. Hier finden Sie das Protokoll zum Nachlesen.    

Gast: Clopidogrel (Plavix) soll ich nach Elektrokonversion ständig nehmen. Ich fürchte die Nebenwirkungen, bin leider allergisch gegen Aspirin. Nichtraucher, 78 Kilogramm, kein besonderes Risiko für Schlaganfall. Empfohlen durch den Kardiologen: Ablation mit Radiowellen, falls die Störungen zu schwerwiegend werden. Gefährlich? Lieber Herzschrittmacher implantieren?

Prof. Matthias Heintzen: Die Ablation sollte nur nach genauer Untersuchung durch den Kardiologen erfolgen und ist Patienten vorbehalten, bei denen die normale medikamentöse Behandlung nicht zur Beschwerdefreiheit führt.

 

stevie_old: Mit 62, im Juni letzten Jahres, wurde bei mir Vorhofflimmern (intermittierend) festgestellt - bei einer kardiologischen Untersuchung, inklusive  Langzeit-EKG. Beschwerden hatte ich nie, treibe auch täglich Sport (Jogging, zehn Kilometer, eine Stunde). Reicht Bisoprolol 5 mg/d und ASS 100 oder ist weitergehende Behandlung ratsam?

Prof. Matthias Heintzen: Wenn keine weiteren Erkrankungen (Hochdruck, Herzmuskelschwäche, Blutzuckererkrankung oder ein Herzklappenfehler) vorliegen,  reicht die Behandlung mit Bisoprolol und Aspirin aus. Regelmäßige kardiologische Kontrollen sind aber notwendig.

 

Jzechner: Bei mir wurden SVES, polytope VES und 1 Couplet als Störung festgestellt! Wie kann es nun weitergehen? Wie lange kann man Thromcardin (zwei Mal pro Tag nehmen), ohne langfristig Probleme mit den Nieren zu riskieren?

Prof. Matthias Heintzen: Wenn nur diese Herzrhythmusstörungen vorliegen und die Rhythmusstörungen keine Beschwerden verursachen, kann die Behandlung wie bisher fortgeführt werden.

 

Pieschie: Ich (weiblich, 35 Jahre) habe nach zwei Ablationen (Reentry-Tachykardie 2004 und 2006) im Jahre 2008 wieder Herzrhythmusstörungen anfallsweise nachts bekommen. Nun muss ich Sotalex mite 80 nehmen. Macht eine weitere Ablation Sinn? Ich möchte eigentlich keine Tabletten dauerhaft nehmen. Außerdem habe ich Angst, dass es trotz der Medikamente wieder auftritt.

Prof. Matthias Heintzen: Ich empfehle ihnen eine nochmalige elektrophysiologische Untersuchung, um zu klären, ob eine erneute Ablation notwendig ist.

 

Gast13: Guten Abend, weiblich, 46 Jahre, normalgewichtig, keine Diabetes, keine Risikofaktoren, Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien. Therapie: 120 mg Verapamil  morgens, Frage: Muss man ein Leben lang Verapamil einnehmen?

Prof. Matthias Heintzen: Für sie käme eventuell auch eine bedarfsadaptierte Medikation (Pill in the Pocket) in Betracht. Kontaktieren sie bitte ihren Kardiologen.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.02.2010 | 20:15 Uhr