Unsere Geschichte

Als der Frieden in den Norden kam

Samstag, 09. Mai 2020, 12:15 bis 13:00 Uhr

Vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, endete der Zweite Weltkrieg in Deutschland. Doch tatsächlich kam der Frieden zu ganz unterschiedlichen Zeiten in das Land. Auch im Norden: Braunschweig kapitulierte bereits am 12. April 1945, erst ganze drei Wochen später folgte Hamburg am 3. Mai.

Von Befreiung und Besetzung, Trauer und Hoffnung

Passanten in der nach dem Zweiten Weltkrieg zerstörten Mönckebergstraße in Hamburg. © NDR/Spiegel TV/Imago Images/Arkivi
Die Zeit nach dem Krieg war für die meisten Menschen zunächst eine Zeit der Not und des Aufräumens.

Die Dokumentation "Als der Frieden in den Norden kam" aus der Reihe Unsere Geschichte beschreibt die unmittelbare Nachkriegszeit in Norddeutschland, die "Zwischenzeit" inmitten letzter Kriegshandlungen, Kapitulation und Frieden. Sie erzählt vom schweren Neubeginn in den Städten Hamburg, Lübeck, Braunschweig, Schwerin und Greifswald. Von Hungerwintern, Kohlenklau und Hamsterfahrten, von Befreiung und Besetzung, von Trauer und Hoffnung.

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Bild des zerstörten Hamburg, gedreht vom späteren Hollywoodregisseur George Stevens. Im Hintergrund ist die Nicolaikriche zu sehen, auf der Straße Männer in deutschen Uniformen. Sie hatten nicht anderes anzuziehen. © NDR/SpiegelTV

Kriegsende: Hollywood-Regisseur dreht im zerbombten Hamburg

Juni 1945: Hamburg ist eine Ruinenlandschaft. Seltene Farbaufnahmen zeigen das Bild der zerstörten Hansestadt. Gedreht hat sie der Hollywood-Regisseur und spätere Oscar-Preisträger George Stevens. mehr

Seltene Aufnahmen zeigen Zeit zwischen Ungewissheit und Aufbruch

Seltene Archivaufnahmen in Farbe zeigen Norddeutschland im Zustand zwischen Ungewissheit und Aufbaustimmung, gedreht unter anderem vom Hollywood-Regisseur und späteren Oscar-Preisträger George Stevens und seinen Teams. Zeitzeugen wie der Satiriker und Liedermacher Hans Scheibner (Jahrgang 1936) und viele andere erinnern sich an den Moment des Friedens, das Überleben in den Trümmern. Und daran, wie unterschiedlich der damalige Alltag und auch die Zukunftsvorstellungen der Menschen damals waren.

Zeitzeugen-Bericht
Peter Maertens erzählt vom Kriegsende 1945 in Hamburg. © NDR

Zwischen Flak-Splittern und nahbaren Briten

Peter Maertens erlebt den Zweiten Weltkrieg als Junge in Hamburg. Seine jüdische Mutter überlebt den NS-Terror nur durch eine List. Mit dem Kriegsende weicht enormer Druck von der Familie. mehr

Die jüdische Mutter überlebt durch eine List

Schauspieler Peter Maertens (Jahrgang 1931) ist 14 Jahre alt, als der Krieg in Hamburg zu Ende geht. Mit dem 3. Mai 1945 weicht von der Familie eine enorme Last: Als Jüdin hatte seine Mutter jahrelang in Angst gelebt, drohte ihr doch wie vielen anderen der Abstransport in ein Konzentrationslager. Nur mit einer Tücke gelingt es den Eltern von Peter Mertens, das Leben der Mutter zu sichern. Mit dem Einzug der Briten in Hamburg beginnt für Maertens ein neuer Lebensabschnitt - mit ungekannten Freiheiten und Perspektiven.

Zeitzeugen-Bericht
Eckhard Schimpf erzählt vom Kriegsende 1945 in Braunschweig. © NDR

"Du kannst weiterschlafen, es ist Frieden"

Im Mai 1945, vor 75 Jahren, kapituliert das Deutsche Reich. Wie erleben Kinder das Kriegsende und die Zeit danach? Eckhard Schimpf, heute 81 Jahre alt, erzählt aus Braunschweig. mehr

"Es kann nur besser werden"

Eckhard Schimpf erlebt das Kriegsende als Sechsjähriger in Braunschweig - befreit von US-amerikanischen Soldaten. Und die und ihre Mitbringsel sollen ihm für immer in Erinnerung bleiben. Präsentieren sie doch ein gänzlich anderes Bild als das, was er bis dahin unter Militär verbucht hatte. Die Stadt in Trümmern wird für Schimpf zum Spielrevier. Doch auch die Bilder von Tausenden Zwangsarbeitern und Flüchtlingen, die nun in die Stadt strömen, von Müttern, die verzweifelt ihre Söhne suchen, hinterlassen ihre Spuren.

Zeitzeugen-Bericht
Brigitte Remertz erzählt vom Kriegsende 1945 in Greifswald. © NDR

Das Schicksal eines tragischen Retters von Greifswald

Der Einmarsch der Roten Armee in Vorpommern im April 1945 bringt vielerorts großes Leid. Nur in Greifswald fällt kein Schuss. Siegfried Remertz hatte daran großen Anteil. Seine Tochter erinnert sich. mehr

Der Vater stirbt nach Kriegsende im Gefangenenlager

Brigitte Remertz lebt 1945 als Jugendliche mit ihrer älteren Schwester und ihren Eltern in Greifswald. Als die Rote Armee im April 1945 die Oder überquert, schließt sich die Familie nicht den Flüchtlingen an, sondern bleibt in der Stadt. Wenige Tage nach der offiziellen Kapitulation wird ihr Vater, der das Amt des geflohenen Oberbürgermeisters übernommen hatte, gemeinsam mit anderen am Widerstand gegen das NS-Regime beteiligten hochrangigen Greifswaldern von Sowjet-Einheiten verhaftet und ins Lager Fünfeichen gebracht. Brigitte sieht ihren Vater nie wieder.

Zwischen Hunger und Schwarzmarkt, Trauer und Hoffnung

So unterschiedlich die persönlichen Erinnerungen an das jeweils erlebte Kriegsende auch sind: Nach wie vor prägen Entbehrungen und Hunger die Zeit und ambivalente Gefühle zwischen Trauer und Aufbruchsstimmung. In ihrer Not werden die Menschen erfinderisch, finden Wege, sich mit dem Nötigsten zu versorgen - wenn auch unter oftmals riskanten Bedingungen wie etwa auf dem Schwarzmarkt oder beim Kohlenklau.

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Bildmontage: Links eine Volksgasmaske. Rechts eine Petrolumlampe, die aus der Filterdose einer Volksgasmaske gefertigt wurde. © Herbert Wintersohl

Kriegsende: Wie aus Waffen Hausrat wurde

Nach 1945 sind Dosen, Siebe und anderer Hausrat Mangelware. Im Überfluss gibt es dagegen Kriegsschrott und halbfertige Rüstungsgüter. In der Not wurden etliche Militärartikel umfunktioniert. mehr

Kinder blicken neugierig in ein CARE-Paket. © CARE/www.care.de

CARE-Paket: US-Hilfe in Konservendosen

Corned Beef und Vollmilchpulver: Das CARE-Paket gilt als Sinnbild der Nachkriegsjahre. Als die Hilfspakete nach Deutschland kommen, wird Bremerhaven zum Drehkreuz für die Verteilung der Pakete. mehr

Ausschnitt der Europa-Karte vom 1. Mai 1945 aus dem "Atlas of the World Battle Fronts in Semimonthly Phases" des United States War Department, 1945, der die Gebietslage in zweiwöchigen Abständen dokumentiert. © This image is a work of a U.S. Army soldier or employee, taken or made as part of that person's official duties. As a work of the U.S. federal government, the image is in the public domain. Foto: United States War Department, General Staff 1945

Chronik des Kriegsendes im Norden

Vor 75 Jahren ist der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen. Wie verliefen die letzten Kriegsmonate in Norddeutschland? Welche überregionalen Ereignisse waren relevant? Eine Chronik. mehr

Wehrmachtssoldaten ergeben sich 1945 und halten weiße Tücher hoch. © picture alliance/akg-images Foto: akg-images

Dossier: Wie der Zweite Weltkrieg im Norden endete

Vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, endet der Krieg mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. Bereits zuvor haben die Alliierten viele Städte und Konzentrationslager befreit. Ein Dossier. mehr

Redaktion
Marc Brasse
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Autor/in
Nina Adler
Konstantin von zur Mühlen
Redaktion
Christoph Mestmacher