Rollkunstläuferin Emilia Zimermann bei ihrem Solotanz bei den World Championships. © Imago Foto: Raniero Corbelletti

Zimermann: Historischer Erfolg im Rollkunstlauf

Stand: 30.11.2021 06:00 Uhr

Emilia Zimermann ist nominiert als Sportlerin des Jahres. Die Rollkunstläuferin wurde Vizeweltmeisterin im Solotanz und schaffte damit etwas, was noch nie zuvor einer Deutschen gelungen war.

von Frauke Hain

Emilia Zimermann hat im Oktober Historisches vollbracht. In Paraguay wurde die 23-Jährige aus Lübeck Vize-Weltmeisterin im Solotanz - auf Rollschuhen. Und damit ist sie die erste deutsche Rollkunstläuferin, die je eine WM-Medaille im Solotanz gewonnen hat. "Ich will ein Vorbild sein für die deutschen Rollkunstläuferinnen. Mit der Medaille hab' ich das geschafft. Das war das große Ziel", sagt sie. "Wenn man für seine Ziele kämpft, kann man das erreichen."

 

Hannah Böhme und Christine Pilger schauen in die Kamera. © Janis Röhlig/NDR Foto: Janis Röhlig
AUDIO: Podcast: Heimvorteil bei Rollkunst-Läuferin Emilia Zimermann (41 Min)

Zum Rollkunstlauf ist Emilia Zimermann im Alter von knapp neun Jahren erst spät gekommen. "Meine Mama war in der Ukraine Eiskunstläuferin. Ich war total begeistert und wollte das auch machen." In Lübeck gab es kein Eiskunstlaufen, aber die Möglichkeit für Rollkunstlauf. Seitdem stehen täglich Tanzen, Kraftsport, Yoga und Dehnen auf dem Programm.

Mit Disziplin und Ehrgeiz auf allerhöchstem Niveau

Die 1,57 Meter große Lübeckerin hat einen starken Willen. "Wenn ich mir was vorgenommen habe, ziehe ich das durch", sagt sie selbstbewusst. Disziplin und Ehrgeiz braucht sie. "Ich muss sagen, dass ich oft auch frustriert bin." Rollkunstlauf sei nicht Fußball. "Finanziell muss man echt einstecken - ich bin auf dem allerhöchsten Niveau" - und trotzdem lande sie am Ende bei plusminus null. Nach eigenen Angaben trainiert Zimermann so viel, wie sie in einem Vollzeitjob arbeiten würde.

Sie wird von den Stiftungen des sogenannten Teams Lübeck finanziell unterstützt. Davon leben kann sie aber nicht, so dass die 23-Jährige immer wieder Nebenjobs hat. "Ich denke schon, dass ich mich irgendwann entscheiden muss zwischen weiter Sport machen oder meine Karriere voranbringen, um mir finanzielle Sicherheit zu garantieren. Beides gleichzeitig ist nicht möglich, was sehr schade ist", sagt Emilia Zimermann.

Weitere Informationen
Läufer durchbricht jubelnd das Ziel. (Montage, Symbolbild) © imagosportfotodienst GmbH, iStock photo, fotolia Foto: imagebrooker, Lisa Fletcher, Ovidiu_Iordachi

Sportler des Jahres: Die Porträts

Fünf Frauen, fünf Männer und fünf Teams haben die Chance, "Sportler des Jahres" 2021 in Schleswig-Holstein zu werden. In unseren Kurzporträts erfahren Sie mehr über die Athleten. mehr

Abschluss in International Business Administration

Mit 17 Jahren hat sie Abitur gemacht. Einen ersten Bachelor-Abschluss in International Business Administration hat die 23-Jährige auch schon. Dafür verbrachte sie ein Auslandssemester in Buenos Aires. "Ich liebe Reisen und bin super viel rumgekommen. Und ich liebe Sprachen." Emilia Zimmermann ist zweisprachig mit Russisch aufgewachsen - insgesamt spricht sie sechs Sprachen. Ein Fernstudium in Ernährungswissenschaften hat sie zusätzlich angefangen und in zwei Jahren soll dann auch noch ein Master folgen. Die Pause bis dahin will sie nutzen, um in ihrem Sport weiterhin erfolgreich an Wettkämpfen teilnehmen zu können.

Ziel: Aufs Treppchen bei den World Roller Games

"Ich will mich noch weiter steigern", sagt Emilia Zimermann über ihre Ziele. Dafür nimmt sie jede Herausforderung an. "Die Corona-Zeit war schwierig. Ich habe viel alleine in geschlossenen Hallen trainiert", erzählt sie. Bevor es im Frühjahr mit der Saison los ging, zog sie von Berlin - wo sie aktuell lebt - nach Italien, wo es eine Outdoorbahn fürs Training gibt. Im Mai startete sie dann in den ersten Wettkampf nach eineinhalb Jahren gegen eine große Konkurrenz.

"Manchmal denke ich zu viel nach und mache mir zu viele Sorgen. Gerade auch was Wettkämpfe angeht. Manchmal vergleicht man sich zu sehr. Ich bin sehr perfektionistisch und manchmal stehe ich mir auch selber im Weg", erzählt sie. In diesem Jahr hat sie das gut gemeistert. Mit großem Abstand wurde sie erst Deutsche Meisterin, dann Dritte bei der Europameisterschaft - und schließlich Vizeweltmeisterin. Im kommenden Jahr will sie bei den World Roller Games auf dem Treppchen stehen.

Weitere Informationen
Ein Pokal steht im sprühendem Glitzerlicht auf dunklem Untergrund. © photocase Foto: Mcdeekey, MichaelJBerlin

Wählen Sie die Sportler des Jahres 2021 in SH

Der Landessportverband Schleswig-Holstein sucht die Sportlerin, den Sportler und die Mannschaft des Jahres 2021. Stimmen Sie ab! mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein mittendrin | 30.11.2021 | 12:20 Uhr

Ein Porträt von Ruderin Judith Guhse © DRV/Seyb Foto: DRV/Seyb

Guhse: Von der Außenseiterin zur Vizeweltmeisterin

Die Ruderin gewann Silber bei der U23-Weltmeisterschaft - obwohl ihr das vorher niemand zugetraut hatte. mehr

Frieda Hämmerling steht an einem Kanal-Ufer in der Nähe vom Bundesstützpunkt des Deutschen Ruderverbandes in Berlin. © picture alliance / dpa Foto: Bernd von Jutrczenka

Hämmerling: Ruder-Drama in Tokio

Die Weltcupgesamtsiegerin war bei Olympia auf den Punkt fit. Es klappte nicht mit der Medaille - trotzdem ruderte sie das beste Rennen ihrer Karriere. mehr

Triathletin Julia Bröcker läuft mit ihrem Fahrrad durch die Wechselzone. © Sportfoto Zink Foto: Oliver Gold

Bröcker: Triathlon-Nachwuchshoffnung holt bei EM Staffel-Gold

Die 18-Jährige setzte ein Ausrufezeichen bei der DM im Elitefeld - und wurde Junioren-Europameisterin mit der Staffel. mehr

Porträt von Judoka Miriam Butkereit bei der Einkleidung des DOSB in Köln. © picture alliance / dpa Foto: Marius Becker

Butkereit: Grand-Slam-Silber - und trotzdem schwer enttäuscht

Die Judoka wurde Zweite in Tel Aviv und kämpfte ihre erste Weltmeisterschaft - ein gutes Jahr, das trotzdem seine Schattenseite hatte. mehr

Mehr Sport-Meldungen

Die olympischen Ringe vor einem Baumwollfeld und eine blaue Maske, der von einer roten Hand der Mund zugehalten wird (Symbolbild, Fotomontage).

Schmutzige Spiele: Wie das IOC Zwangsarbeit in China unterstützt

Hunderttausende Uiguren sind in Chinas Region Xinjiang eingesperrt. Ein IOC-Sponsor lässt dort trotz Zwangsarbeit produzieren, wie die Sportclub Story des NDR zeigt. mehr