Stand: 26.11.2018 12:00 Uhr

Ruderin Hämmerling: "Es ist so eine Art Sucht"

von Lars Gawel

Völlig entkräftet legt Ruderin Frieda Hämmerling am Steg an und ringt nach Luft. Einige Minuten sind seit dem WM-Rennen vergangen. "Wir sind einen Hammer-Endspurt gefahren", sagt die Schlagfrau des deutschen Doppelvierers der Frauen noch außer Atem. Es war ein Krimi, der sich zuvor im Finale bei der Weltmeisterschaft in Plowdiw (Bulgarien) abgespielt hatte. Um jeden Zentimeter muss Hämmerling an der Seite von Carlotta Nwajide, Franziska Kampmann und Marie-Catherine Arnold Kurz kämpfen. Nach dem Zieleinlauf herrscht bei der Kielerin Ungewissheit: Silber? Bronze? Vierter? "Im Ziel wussten wir nur, dass es kein Gold war, weil die Polinnen deutlich vor uns waren", erinnert sich Hämmerling. Schließlich steht fest: Das DRV-Quartett hat den engen Kampf um Silber gewonnen.

Zittern ums WM-Ticket

Mit der WM-Teilnahme ging für die Athletin der Rudergesellschaft Germania Kiel von 1882 ein Traum in Erfüllung. Dabei war lange offen, wer bei der Weltmeisterschaft im Boot sitzen würde. Bundestrainer Marcin Witkowski hatte nach dem dritten Platz beim ersten Weltcup in Belgrad das Team neu zusammengesetzt. Nur Hämmerling blieb im Boot. Die 21-Jährige kämpfte fortan um ihr WM-Ticket. "Wenn ich mir ein Ziel in den Kopf gesetzt habe, dann will ich es auch erreichen", nennt Hämmmerling eine ihrer Stärken. Es folgten im Sommer zwei erste Plätze bei den Weltcups in Linz und Luzern - und die WM-Nominierung. "Es war mein erfolgreichstes Jahr in der Karriere. Ich habe mich noch mal deutlich gesteigert", freut sich Hämmerling über ihr Sportjahr 2018.

Pendeln zwischen Hamburg und Berlin

Die Kielerin rudert seit sieben Jahren, hat sich 2011 vom Bruder zum Training mitschleppen lassen. Von da an hatte sie ihr Ding gefunden. "Das Rudern ist irgendwie so eine Art Sucht, es fesselt einen. Dann kommen wieder die harten Trainingseinheiten, die überhaupt keinen Spaß machen, aber man möchte trotzdem weitermachen", meint Hämmerling, die in der Woche immer zwischen Hamburg und Berlin pendelt. Sie wohnt in Hamburg in einer WG, studiert BWL und trainiert montags bis mittwochs am Olympiastützpunkt in der Hansestadt. Die anderen Tage trainiert Hämmerling in Berlin mit der Mannschaft. Ein Kraftakt. Auch, weil sie mit 1.300 Euro Sportförderung im Monat zurechtkommen muss. "Viele von uns studieren neben dem Sport. Da bleibt keine Zeit für Nebenjobs, sodass wir für jede Förderung dankbar sind", sagt die 21-Jährige und fügt an: "Aber es bleibt schon noch ein bisschen Geld zum Leben übrig."

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.12.2018 | 19:30 Uhr

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